NFL-Start in Indianapolis - Ziel: Glendale
Der große Druck ist von Peyton Manning abgefallen. Jahrelang hatte der Spielmacher der Colts beste statistische Werte abgeliefert, rekordverdächtig Yard um Yard mit seinen Pässen überbrückt und regelmäßig die Mitspieler in der gegnerischen Endzone mit Touchdownwürfen bedient. Nur: Der ganz große Wurf blieb aus, Manning sah sich Saison für Saison der Häme vieler Football-Fans und -Journalisten ausgesetzt, wenn die Colts wieder einmal frühzeitig in den Play-offs gescheitert waren.
Im vergangenen Jahr war alles anders. Zunächst holten die Colts im AFC-Championship-Game - sozusagen im Halbfinale - einen 18-Punkte-Rückstand gegen den großen Rivalen, die New England Patriots auf, und zogen in den Super Bowl ein. In Miami legte der Underdog Chicago Bears im strömenden Regen ein 14:6 vor - es sah schlecht aus für das Team von Headcoach Tony Dungy. Doch Manning riss das Ruder herum, mit 247 Yards und einem Touchdown-Pass (bei einer Interception) stach er seinen Kontrahenten Rex Grossman aus, führte sein Team zum 29:17-Erfolg und holte sich auch den MVP-Titel (wertvollster Spieler des Finals).
Doch das ist Vergangenheit. Vom Jäger zum Gejagten - die Colts sind nun das Team, das ab Donnerstag alle schlagen wollen. Allen voran die Patriots, die sich enorm verstärkten. Quarterback Tom Brady soll das Team aus Massachussets zum vierten Titel in den vergangenen sieben Jahren führen. Der Klub hat durch seine Transferpolitik dafür gesorgt, dass Brady nicht besonders viele Ausreden haben dürfte, sollte die Mission scheitern.
Für die Free Agents Adalius Thomas (Baltimore Ravens) und Wide Receiver Donte' Stallworth (Philadelphia Eagles) wurde viel Geld ausgegeben, daneben konnte mit Randy Moss ein weiterer namhafter Passempfänger von den Oakland Raiders geangelt werden. Bill Belichik gilt als bester Coach der Liga, er muss die neuen Spieler nun in das Gefüge einpassen.
Tom Brady (2006: 3.529 Yards, 24 Touchdowns) hob bereits mahnend den Zeigefinger. Vor allem in der Startphase der Saison könnte es noch Reibungsverluste bei den Patriots geben, bis die Maschine richtig ins Laufen kommt. Dennoch: Mit New England muss man bis tief in die Play-offs rechnen - wenn das Team verletzungsfrei bleibt.
Die Colts wollen den Rivalen auch in diesem Jahr stoppen und den Erfolg bestätigen. Linebacker Rob Morris: "Wir kennen die Patriots genau, ein wirklich starkes Team, das es zu schlagen gilt." Right Tackle Ryan Diem fügt hinzu: "Wenn du den Super Bowl gewinnst, will dich jeder schlagen. Also müssen wir konzentriert und auf dem Teppich bleiben. Sind wir das nicht, ist die Saison vorbei, bevor die Play-offs beginnen."
Nach dem Verlust einiger Stammkräfte wie Linebacker Cato June (Tampa Bay Buccaneers), Running Back Dominic Rhodes (Oakland, 113 Yards im Super Bowl XLI), Cornerback Nick Harper (Tennessee Titans) und vor allem Tarik Glenn (Karriereende mit 31) wird es mehr denn je auf Peyton Manning (2006: 4.397 Yards, 31 Touchdowns) ankommen. Glenn war Left Tackle und hielt fast alles Unheil auf Mannings "schwacher Seite" ab. An seine Stelle wird Rookie Tony Ugoh von der University of Arkansas rücken - die große Unbekannte in der Colts-Offensive.
Tritt Ugoh in Glenns Fußstapfen, kann Manning den Erfolg des Vorjahres vielleicht bestätigen. Heiß darauf ist er. "Er will einen weiteren Ring", weiß Rob Morris.
Den Ring wollen auch andere. Neben den Pats und den Colts vor allem die San Diego Chargers um Superstar LaDainian Tomlinson. Der Running Back führte die Kalifornier mit unwiderstehlichen Läufen zu einer 14:2-Bilanz - der besten in der vergangenen Saison. Er elektrisiert die Massen, kann an einem guten Tag Spiele im Alleingang entscheiden. Im vergangenen Jahr hatte er mehrere gute Tage, bis im Viertelfinale das Aus gegen New England kam (21:24). Davor erreichte er 31 Mal mit dem Ball die Endzone (Ligarekord) und wurde zum besten Spieler der Saison gewählt.
Die Baltimore Ravens mit ihrer Betonabwehr, die Cincinnati Bengals, Jacksonville Jaguars, Denver Broncos und New York Jets wollen auch wieder weit vorstoßen. In der NFC sind die Dallas Cowboys und die New Orleans Saints hoch einzuschätzen. Daneben NFC-Champion Chicago und die gewohnt starken Philadelphia Eagles.
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