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04.02.2010, 16:00

Streit bei den Eisschnellläufern

Friesinger und die Folgen

Die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite Anni Friesinger-Postma, die sich nicht vom Mannschaftsarzt der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG, Gerald Lutz, behandeln lassen will. Auf der anderen Seite die DESG und der Rest des deutschen Eisschnelllauf-Teams um Daniela Anschütz-Thoms, die die Aussagen ihrer Inzeller Teamkollegin nicht verstehen können und zu Lutz stehen.

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Anni Friesinger
Erhält in Vancouver gesonderte Behandlung: Anni Friesinger-Postma.
© picture-alliance

Während DOSB-Chef Thomas Bach am Donnerstag beim Abflug gen Vancouver die Wogen zu glätten versuchte, übte Friesingers Vertrauenarzt Volker Smasal Kritik am Verband. Kurz vor Beginn der Spiele herrscht somit große Unruhe um das deutsche Olympia-Team.

Ausgangspunkt der Streitereien waren Aussagen Friesinger-Postmas gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Sie fühle sich vom Verband "im Stich gelassen", die Nominierung des Erfurter Orthopäden Lutz wollte sie nicht hinnehmen. Grund: Lutz hatte im Februar 2009 bei der Mehrkampf-WM in Hamar nach dem Bekanntwerden der erhöhten Retikulozyten-Werte von Claudia Pechstein in Abstimmung mit der Teamleitung die Diagnose eines grippalen Infekts gestellt.

Aktuelles zu Olympia 2010

Friesingers Vertrauensarzt Smasal sprang der Athletin am Donnerstag im Gespräch mit dem SID zur Seite. Der Verband habe von Beginn an versucht, den Fall Pechstein zu verschleiern, stattdessen hätte er ein Zeichen setzen müssen, so Smasal: "Dr. Lutz und Teamchef Helge Jasch hätten nicht für Vancouver nominiert werden dürfen. Sie waren von Anfang an in den Fall Pechstein involviert. Lutz hat ein falsches Attest ausgestellt. Darauf hätte auch die Thüringer Ärztekammer reagieren müssen."

Ich muss da jetzt nicht hin, um eine schöne Jacke zu kriegen. Friesinger-Arzt Volker Smasal will nicht nach Vancouver fliegen.

Dies wiederum ruft DESG-Präsident Gerd Heinze auf den Plan. Die Aussagen Smasals seien "nicht auszuhalten", Schuld an den Ungereimtheiten von Hamar sei die Internationale Eislauf-Union ISU. Heinze denkt weiterhin über Konsequenzen für die zweimalige Olympiasiegerin Friesinger-Postma nach. "Sie braucht in Vancouver ja nicht zu starten, wenn sie nicht will", so der Funktionär verärgert. Mit der Kritik an Lutz sei einerseits der Mediziner betroffen ("Das ist Rufmord"), andererseits würde auch das Olympiateam Schaden davontragen.

Bernhard Schwank, deutscher Chef de Mission in Vancouver, hatte zuvor mit Friesinger vereinbart, dass Smasal bei Bedarf nach Kanada eingeflogen werden könne. Doch Smasal lehnt ab. "Ich bin kein Spielball. Es wäre auch nicht fair. Nur für Anni da zu sein, wäre eine Zerstörung des Teams", sagte Smasal, der 2006 als Verbandsarzt im Streit von der DESG gegangen war. Der Team-Arzt der Shorttracker, Mario Bottesi, betreut die Sportlerin nun. Das bestätigte Friesinger-Manager Klaus Kärcher der dpa. "Dies ist ein Kompromiss, aber nicht die optimale Lösung zur Betreuung einer so verdienstvollen Athletin", sagte Kärcher.

Der Großteil der Mannschaft sieht das anders und stellt sich demonstrativ auf die Seite des Team-Arztes. "Ich stehe voll hinter Doktor Lutz und habe 120-prozentiges Vertrauen zu ihm", sagte Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms. "Er betreut Tag und Nacht und nimmt ungewöhnliche Strapazen auf sich." Auch Monique Angermüller äußerte sich ähnlich. Der Erfurter Robert Lehmann ist sogar der Ansicht, dass Friesinger-Postma nur "einen Schuldigen sucht, falls es bei Olympia nicht gut läuft". Lutz sei jedenfalls höchst engagiert. Gold-Hoffnung Jenny Wolf ging ganz nüchtern mit der Aufregung um. "Es war ja fast klar, dass vor Olympia noch irgendetwas kommt. Wir sind ja Unruhe gewohnt, davon hatten wir zuletzt ja jede Menge. Jetzt lässt mich das fast kalt", sagte die 31-jährige Weltmeisterin.

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04.02.2010, 16:00
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