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Ablenkung im Auto: Tesla macht Probleme

Sechs Modelle im ADAC-Check

Ablenkung im Auto: Tesla macht Probleme

Das gefiel den ADAC-Testern nicht: Im Tesla Model 3 müssen fast alle Fahrzeugfunktionen über den großen Touchscreen bedient werden.

Das gefiel den ADAC-Testern nicht: Im Tesla Model 3 müssen fast alle Fahrzeugfunktionen über den großen Touchscreen bedient werden. ADAC/Ralph Wagner

Wie einfach ist das doch früher gewesen: Im seligen VW Käfer gab es einen Tacho, vielleicht noch ein Radio, dazu ein minimales Sortiment an Knöpfen für Licht oder Gebläse - fertig war das Layout des Armaturenträgers.

Blindflug droht

Heute sieht das buchstäblich anders aus. Die Kunst besteht längst nicht mehr darin, ein Auto mit gefühlt tausenderlei Features vom Navi über die Smartphone-Anbindung bis hin zu zahllosen Assistenzsystemen auszustatten, sondern diese Funktionen auch gut zugänglich zu machen. Gut heißt in diesem Fall: So, dass der Fahrer beziehungsweise die Fahrerin nicht in irgendwelchen Untermenüs herumirrlichtern müssen. Denn das ist nicht nur unkomfortabel, sondern auch gefährlich - birgt es doch ein bedenkliches Ablenkungspotenzial. Schon eine Sekunde Aufmerksamkeitsdefizit führt bei Tempo 50 zu 14 Metern "Blindflug". Bei 100 km/h werden daraus bereits 28 Meter, und bei Richtgeschwindigkeit 130 auf der Autobahn sogar 36 Meter.

Mazda 3

Fand Beifall: Dreh-Drück-Steller im Mazda 3. Hersteller

Der ADAC hat jetzt bei sechs Automodellen der Kompakt- und Mittelklasse die Bedienbarkeit untersucht. Mit dabei: BMW 1er, Dacia Duster, Mazda 3, Mercedes A-Klasse, Tesla Model 3 sowie der VW Golf. Mit diesen Fahrzeugen wurden Testpersonen auf einen Parcours geschickt, wo sie bei einer konstanten Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h verschiedene Bedienaufgaben lösen mussten.

Lob für Mazda und BMW

Was die sicherheitsrelevanten Funktionen betrifft, funktionierte das beim Mazda 3 und beim BMW 1er am besten. Beide Modelle verfügen über ein sogenanntes controllerbasiertes Bediensystem, dessen zentraler Bestandteil ein Dreh-Drück-Steller darstellt. Dass diese Lösung bei der Ansteuerung des Infotainments - der verhältnismäßig langen Eingabezeit wegen - eher von Nachteil ist, spielte für das Testergebnis nur eine untergeordnete Rolle. Überhaupt nicht untersucht wurde bei den Probanden die Sprachsteuerung.

Lob fanden die Tester im Falle des Mazdas und des BMWs auch für den Umstand, dass es eine separate Klima-Bedieneinheit gibt. Im Golf beispielsweise muss die Air Condition - ebenso wie das Infotainment - über den Touchscreen geregelt werden. Für die Sicherheits-Features stehen aber klassische Bedienelemente bereit, was dem Golf einen Platz im Mittelfeld bescherte, knapp vor dem Dacia Duster.

Dass die Mercedes A-Klasse auf dem fünften Platz landete, war letztlich dem Touchpad fürs Infotainment zuzuschreiben, diesem System attestierten die Tester eine recht schwere Bedienbarkeit.

Tesla auf dem letzten Platz

ADAC Test Ablenkungspotenzial

ADAC-Test: Die Ergebnisse im Überblick - zum Vergrößern bitte anklicken. ADAC

Auf dem letzten Rang fand sich das Tesla Model 3 wieder, bei dem fast alle Fahrzeugfunktionen, die sicherheitsrelevanten eingeschlossen, an den Touchscreen ausgelagert sind. "Das führt zu den mit Abstand längsten Bedien- und Ablenkungszeiten und stellt damit ein großes Sicherheitsrisiko dar", urteilte der ADAC, räumte aber auch ein, dass der Tesla beim Bedienen des Infotainments am besten abschnitt.

Nun mag man argumentieren, dass sich der Besitzer eines Autos mit der Zeit anders in dessen Bedienbarkeit einfinden wird als die Testpersonen bei ihrem Erstkontakt. Nicht vergessen werden darf aber, dass Autos beispielsweise auch als Mietwagen ausgegeben werden. Dann muss der Umgang sofort, sicher und intuitiv klappen. Der ADAC fordert, dass es für grundlegende Funktionen eine standardisierte Bedienung geben sollte. Der Schalter für die Warnblinkanlage etwa solle auf dem Armaturenbrett zu finden sein - und nicht, wie beim Tesla Model 3, am Dachhimmel.

ule