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Arnautovic: Vom "Enfant terrible" zum ÖFB-Rekordteamspieler

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Arnautovic: Vom "Enfant terrible" zum ÖFB-Rekordteamspieler

Marko Arnautovic vor dem Anpfiff in Paris.

Marko Arnautovic vor dem Anpfiff in Paris. GEPA pictures

Der wohl schillerndste heimische Profi des vergangenen Jahrzehnts ist seit Donnerstag neuer österreichischer Rekordteamspieler - und hat auf dem Weg dorthin eine Wandlung vom "Enfant terrible" zur Führungspersönlichkeit in der ÖFB-Auswahl vollzogen. Marko Arnautovic ist nicht mehr nur Polarisierer und Schlagzeilen-Lieferant, er ist rot-weiß-rotes Aushängeschild in der Serie A und Hoffnungsträger in der bevorstehenden EM-Qualifikation.

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Nicht immer verfügte der Sohn eines Serben und einer Wienerin über ein derart hohes Standing bei seinen Mannschaftskollegen oder in der Öffentlichkeit. Arnautovic galt ÖFB-intern lange als hochtalentierter, aber anstrengender, weil exaltierter Zeitgenosse, dem Ex-Teamkapitän Christian Fuchs einst im Scherz einen "gesunden Poscher" attestierte.

Sein überbordendes jugendliches Selbstvertrauen sorgte für manche Reibereien, so etwa im März 2011, als es unmittelbar nach dem 0:2 in Istanbul in der Kabine zu einem heftigen Konflikt zwischen Arnautovic und Stefan Maierhofer kam. Diesen Vorfall bezeichnete Arnautovic erst am vergangenen Dienstag als einen der Tiefpunkte seiner ÖFB-Karriere.

Stammgast in den Klatschspalten

Irritationen gab es auch abseits des Rasens: Einen Polizisten soll er 2012 bei einer Auto-Routinekontrolle in Wien die Worte "Ich kann dein Leben kaufen" an den Kopf geworfen haben. Damals, in seiner Zeit bei Werder Bremen, war der mittlerweile 33-Jährige Stammgast in den Klatschspalten der "Bild"-Zeitung.

Die Situation hat sich längst geändert: Arnautovic ist verheiratet und Vater zweier Mädchen. Regelmäßig betont der frühere England-Legionär seine Verantwortung und Vorbildwirkung für die Töchter und würde ihnen gerne seine früheren Eskapaden verheimlichen - am besten dadurch, Google verbieten zu lassen, wie er einmal schmunzelnd am Rande eines ÖFB-Pressetermins erzählte.

Zumindest beim News Alert der Suchmaschine würden seine Kinder nicht mehr fündig werden. Arnautovic liefert keine Skandale mehr, für Aufregung sorgt er nur noch auf dem Platz. In der Serie A führt er nach sieben Runden die Torschützenliste an, sechs der sieben Saisontore des FC Bologna gingen auf sein Konto.

ÖFB-Rekordspieler: Wer ist Österreichs "Mister Minute"?

In seiner Wahlheimat fühlt sich Arnautovic wohl, bei seiner vorangegangenen Station in Shanghai war dies nicht der Fall. Der Goalgetter musste auch aufgrund strikter Corona-Maßnahmen die meiste Zeit in Fernost ohne seine Familie verbringen, der Trennungsschmerz wurde bald zu groß, und als sich das Angebot von Bologna auftat, nahm er dankend an.

Vor dem China-Abenteuer machte sich Arnautovic in der Premier League einen Namen. Durch seinen 28-Millionen-Euro-Wechsel von Stoke City zu West Ham United im Jahr 2017 ist der Angreifer bis heute der teuerste Fußballer Österreichs. Laut Medienberichten wäre im vergangenen Sommer beinahe wieder eine hohe Ablöse für Arnautovic bezahlt worden - angeblich waren zunächst Juventus und Napoli, dann auch Manchester United am ÖFB-Star interessiert, der schließlich aber in Bologna blieb.

Zu einer der besten europäischen Adressen hatte es Arnautovic schon einmal geschafft, und zwar 2009/10 zu Inter Mailand. In dieser Spielzeit holten die Italiener das Triple aus Meisterschaft, Cup und Champions League, wobei es der zu Saisonbeginn verletzte Österreicher nur auf drei Einsätze in der Serie A brachte und in Cup und Champions League Zuschauer blieb. Der damalige Inter-Trainer Jose Mourinho ortete bei Arnautovic den "Charakter eines Kindes".

Arnautovic und das Gesetz der Straße

Es war zumindest der Charakter eines Menschen, der schon in jungen Jahren einiges erlebt hatte. In Wien-Floridsdorf aufgewachsen, verbrachte Arnautovic viel Zeit in Fußball-Käfigen und machte Bekanntschaft mit dem Gesetz der Straße. "Ich habe nicht viel auf meine Eltern gehört und war immer draußen. Einige meiner Freunde sind ins Gefängnis gegangen", erzählte der ÖFB-Star.

Auch er selbst hätte durchaus auf die schiefe Bahn geraten können, sagte Arnautovic anlässlich seiner Wahl zum Fußballer des Jahres 2018 der APA. "Es wäre vielleicht so gewesen, hätte ich es nicht als Fußballer geschafft. Ich hatte damals nicht so ein gutes Umfeld. Jetzt danke ich tausend Mal meiner Familie und Gott, dass es nicht so gekommen ist."

Kein Wunder also, dass Familie und Glaube die Eckpfeiler im Leben des nunmehr 103-fachen ÖFB-Teamspielers sind. "Diese beiden Dinge sind für mich das Wichtigste. Jeder in meiner Familie ist gläubig", erzählte Arnautovic.

apa

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