FIFA WM

WM 2022 - Gruppe H: Ghana, Portugal, Südkorea und Uruguay

WM 2022: Gruppe H im Überblick

Außenseiter Ghana, Titelträume in Portugal, Maskenmann Son und Uruguays Generationentreffen

Wer setzt sich durch? Die Gruppe H der WM 2022 im Überblick.

Wer setzt sich durch? Die Gruppe H der WM 2022 im Überblick. imago images

Black Stars mit starkem Zentrum - und dennoch wenig Chancen

Nach der Abstinenz vor vier Jahren ist Ghana in Katar zum vierten Mal für eine WM-Endrunde qualifiziert. Das Team des gebürtigen Hamburgers und Interimstrainers Otto Addo, der während seiner aktiven Zeit als Profi-Fußballer mit Borussia Dortmund 2002 die deutsche Meisterschaft gewinnen konnte, setzte sich in den Play-offs der WM-Qualifikation gegen das große Nachbarland Nigeria durch und sorgte damit für eine dicke Überraschung. 

Auf dem Feld hat Routinier und Kapitän André Ayew (Al-Sadd Doha) mit seinen 32 Jahren die Rolle als Leader inne, findet im Angriff dazu Unterstützung von seinem Bruder Jordan Ayew (31, Crystal Palace) und Bilbaos Inaki Williams (28), der erst im September diesen Jahres vom spanischen zum ghanaischen Verband wechselte. Die kurze Eingewöhnungszeit ist wohl auch der Grund, weshalb Williams bei seinen bisherigen Einsätzen in Ghanas Nationaltrikot kaum überzeugen konnte. Ebenfalls für wenig positive Schlagzeilen sorgten Thomas (29, FC Arsenal) und Mohammed Kudus (22, Ajax Amsterdam) in den letzten Länderspielen: Beide konnten ihre teils hervorragenden Auftritte auf Vereinsebene bei der Nationalmannschaft nicht bestätigen. Und obwohl Ghana-Coach Addo vor allem in der Verteidigung auf starke Einzelspieler wie Mohammed Salisu (23, Southampton), Tariq Lamptey (22, Brighton) oder Leicester Citys Daniel Amartey (27) bauen kann, wäre alles andere als das Ausscheiden in der Gruppenphase ein wahrer Erfolg für die Black Stars.

Masken-Mann im Mittelpunkt bei Südkorea

Er ist der große Name, die wichtigste Person im Kader der Südkoreaner - und er verletzte sich rund drei Wochen vor der Auftaktpartie der WM: Die Rede ist selbstverständlich von Heung-Min Son, dem Kapitän der südkoreanischen Nationalmannschaft. Der 30-jährige Stürmer von Tottenham Hotspur ist die zentrale Stelle im Kader - die Hoffnung einer ganzen Nation lastet auf seinen Schultern. Allzu groß dürften die Ansprüche der Fans dabei nicht sein: Das Weiterkommen aus der Gruppenphase ist den Asiaten bislang lediglich zweimal gelungen, nämlich 2002 im eigenen Land (Halbfinal-Einzug) und 2010 in Südafrika, und würde dementsprechend die eigenen Erwartungen mindestens erfüllen, wenn nicht sogar übertreffen. Das Abschneiden der Südkoreaner hängt aber in jedem Fall stark vom physischen Zustand von Son ab, der nach seiner Augenhöhlen-OP angekündigt hat, mit einer Maske in Katar aufzulaufen.

WM 2022

Im Aufgebot Südkoreas finden sich derweil mit dem Mainzer Jae-Sung Lee (30) und Freiburgs Woo-Yeong Jeong (23) zwei Bundesliga-Akteure wieder. Generell lässt sich sagen, dass Coach Paulo Bento, der unter anderem 2014 die portugiesische Nationalmannschaft trainierte, bei der Zusammenstellung seines Teams großes Vertrauen in Legionäre setzt, selbst wenn diese im Ausland nicht immer zum Stammpersonal zählen. Dieses Denken sorgte dann bei der Kader-Bekanntgabe in Südkorea für Aufruhr, als Bento sich wohl aufgrund der genannten Philosophie für eine Nicht-Nominierung von Min-Kyu Joo (32, schoss 17 Tore für Jeju United) entschied, der in der heimischen K-League zum wiederholten Male die meisten Tore erzielen konnte.

Vollendet Ronaldo sein Lebenswerk?

Fünfmaliger Champions-League-Sieger, Ligatitel in Spanien, England und Italien, dazu unzählige individuelle Erfolge und 2016 der erste Triumph mit dem Heimatland: der Sieg im EM-Finale gegen Frankreich. Auch mit 37 Jahren ist Cristiano Ronaldo weiterhin der große Name in der portugiesischen Nationalmannschaft und hofft in Katar auf die Krönung seiner herausragenden Karriere. Im Gegensatz zu Manchester United,  wo "CR7" nach einer enttäuschenden Hinrunde und einem jüngst veröffentlichten kritischen Interview wohl sein letztes Spiel absolviert haben wird, ist der Angreifer im Team von Nationalcoach Fernando Santos zweifellos gesetzt.

Die portugiesische Nationalmannschaft

Beschert diese Elf Portugal in Katar den ersten WM-Titel? IMAGO/NurPhoto

Doch die Selecao ist deutlich mehr als nur Ronaldo: Im Tor fand man mit Portos Diogo Costa (23) die perfekte Ablöse für den jahrelangen Stammkeeper Rui Patricio (34), in der Defensivreihe hat der mittlerweile 39-jährige Pepe zusammen mit Innenverteidiger-Kollege Ruben Dias (25), Rechtsverteidiger Joao Cancelo (28, beide ManCity) und Top-Talent Nuno Mendes (20, PSG) alle Fäden fest in der Hand. Die Qualität der Einzelspieler lässt aber auch in den anderen Mannschaftsteilen nicht nach: Bruno Fernandes (28, ManUtd), ManCitys Bernardo Silva (28) oder Milan-Überflieger Rafael Leao (23) sind nur drei der vielen Namen, die hier genannt werden können. Ob es für die Portugiesen letztendlich zum ersten WM-Titel reicht, wird stark davon abhängen, ob Fernando Santos das Beste aus seinen Spielern herausholen kann - wie so oft mit besonderem Augenmerk auf die Nummer 7.

Uruguays nächste Generation steht schon bereit

Besonders ein Duo prägte den uruguayischen Fußball über das vergangene Jahrzehnt: Die Doppelspitze aus Luis Suarez (35, für ein paar Monate bei seinem Heimatverein Club Nacional und dort Meister, um sich für die WM fit zu halten)  und Edinson Cavani (35, FC Valencia, würde auch barfuß spielen). Doch die beiden sind nicht die einzigen Akteure im Kader Uruguays, die bereits zum vierten Mal für eine WM-Endrunde nominiert sind. Mit Kapitän Diego Godin (36, Velez Sarsfield), Torhüter Fernando Muslera (36, Galatasaray) und Martin Caceres (35, LA Galaxy) setzt Celeste-Coach Diego Alonso, der seinen Vorgänger Oscar Tabarez nach 15 Jahren Amtszeit im Januar 2022 ablöste, auf viel Erfahrung in seinem Aufgebot.

Doch die Uruguayer dürfen keineswegs nur als Truppe voller alternder Stars angesehen werden: Liverpools Stürmer Darwin (23), Real Madrids Mittelfeld-Allrounder Fede Valverde (24), Tottenham-Profi Rodrigo Bentancur (25) und Facundo Pellistri (20) von ManUnited sind in ihrem jungen Alter nicht nur die Zukunft, sondern haben bereits einen festen Platz im Team von Diego Alonso inne. Vor allem Valverde kommt im System eine wichtige Aufgabe zu: Beim geradlinigen Spielaufbau agiert der Stammspieler der Königlichen als Verbindungsstelle zwischen Defensive und Offensive und setzt durch seine präzisen Bälle in die Spitze besonders die schnellen Pellistri und Darwin in Szene. Unklar ist weiterhin, ob Uruguays Ronald Araujo der Celeste in Katar zur Verfügung stehen wird: Die feste Größe der Verteidigung unterzog sich im September einer Adduktoren-Operation und absolvierte seitdem kein Pflichtspiel für seinen Verein FC Barcelona. Ein Einsatz Araujos ist dementsprechend äußerst fraglich, nominiert wurde er dennoch.

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