Bundesliga

Baumgartner: "Es ist schon so, dass Sturm eine interessante Option ist"

Der WAC-Akteur im Interview

Baumgartner: "Es ist schon so, dass Sturm eine interessante Option ist"

Dominik Baumgartner und der WAC gehen mit zwei Siegen in die Länderspielpause.

Dominik Baumgartner und der WAC gehen mit zwei Siegen in die Länderspielpause. GEPA pictures

Herr Baumgartner, Die bisherige Saison war für den WAC eine stetige Achterbahnfahrt, wenn man an die bitteren Niederlagen gegen Molde oder zuletzt im Derby gegen Klagenfurt denkt. Kamen die letzten Siege gerade zur rechten Zeit?

Alleine wenn man auf die Tabelle schaut, waren das enorm wichtige Siege. Es heißt zwar immer die Saison ist noch jung, aber dadurch, dass in Österreich nach 22 Spielen das erste Mal abgerechnet wird, hat man doch bald mal die Hälfte der Spiele absolviert. Wir wollen unter die ersten sechs und da darf man nicht den Anschluss verlieren. Vor allem der Sieg gegen Rapid war sehr wichtig fürs Selbstvertrauen. Wir haben es jetzt das erste Mal in dieser Saison geschafft, zweimal in Folge zu gewinnen. Du brauchst einfach einmal so eine Siegesserie, um in die Top-6 zu kommen.

Jetzt steht für Sie und ihren Klub erstmal die Länderspielpause an. Wo gilt es in dieser Zeit die Hebel anzusetzen, damit die Mannschaft im Oktober konstanter agieren kann?

Ich denke, da gibt es einige Dinge. Im bisherigen Saisonverlauf war es so, dass wir sehr viele Positionswechsel hatten. Dadurch haben die Abläufe oft nicht gestimmt. Wir haben dann sehr viele schwere individuelle Fehler gemacht. Natürlich, Fehler werden immer passieren, aber man hat es in den letzten Spielen gesehen: Wenn du kompakter stehst, ist es auch möglich, einen individuellen Fehler eines Mitspielers auszubessern. Wir werden wieder an der Kompaktheit arbeiten, weil wir in den ersten Spielen viel zu viele Tore bekommen haben. Allein wenn ich hier an das Derby gegen Klagenfurt denke. Wenn du drei Tore schießt, sollte das normalerweise ausreichen, um ein Derby zu gewinnen. Doch wir haben sogar verloren. Demnach gilt es im Training das Hauptaugenmerk auf die Defensive zu legen.

Beim WAC weilen aktuell sechs Spieler bei ihren A- oder Nachwuchs-Nationalteams. Ihrem Trainer steht also ein großer Kader zur Verfügung während der Länderspielpause. Ist das ein Vorteil, dass er mit der Mannschaft in Ruhe und gezielt arbeiten kann?

Bei uns sind einige junge Spieler bei den Nachwuchsnationalteams. Für die ist es immer schön, mal etwas anderes sehen zu können und im Idealfall mit Siegen und viel Selbstvertrauen zum Klub zurückzukommen. Aber es stimmt, uns steht ein breiter Kader zur Verfügung. Es ist schon wichtig, einmal eine Woche in Ruhe an Verhaltensmustern arbeiten zu können, ohne sich jetzt auf einen bestimmten Gegner einstellen zu müssen.

Inwiefern ist das Training in dieser Zeit anders, kann man nun wieder gezielter im körperlichen Bereich arbeiten?

Natürlich wird prinzipiell mehr im körperlichen Bereich trainiert. Aber es hat auch schon Länderspielpausen gegeben, in denen wir mehr im taktischen Bereich gearbeitet haben. Wo jetzt der Fokus liegen wird, das werden die kommenden Tage zeigen. Es ist aber schon so, dass das Fußballerische oft ein wenig in den Hintergrund gerät und Fitness und Taktik an Bedeutung gewinnen.

Im Sommer standen Sie vor einem Wechsel zum SK Sturm. Ein Wechsel kam allerdings nicht zustande. Warum?

Weil der WAC gesagt hat, dass sie wollen, dass ich bleibe. Das Angebot war ihnen einfach zu wenig, für das, was ich dem Verein Wert bin. Deshalb haben sie einfach gesagt, dass ich eine weitere Saison beim WAC verbringen werde.

Können Sie also ausschließen, dass es im Winter zu einem Transfer kommt?

Ausschließen kann und will ich gar nichts, einfach aus dem Grund, weil jeder weiß, dass im Fußball viele Dinge sehr schnell gehen. Ich gehe aber persönlich davon aus, dass ich die Saison in Wolfsberg zu Ende spielen werde und dann im Sommer schauen werde, wie es weitergeht. Da ist dann meine Vertragssituation völlig offen.

Die kicker-Elf des 9. Spieltags

Auch für Sturm-Coach Christian Ilzer ist das Thema "noch nicht abgehakt", wie er zuletzt in einem Interview verlautbart hat. Ist ein Wechsel zu Sturm demnach nächsten Sommer denkbar?

Denkbar auf jeden Fall, aber es ist absolut nichts beschlossen. Ich habe schon sehr wilde Dinge gehört und gelesen, die natürlich nicht stimmen. Aktuell gibt es aber dahingehend keine Gespräche. Dadurch, dass im Winter während der Weltmeisterschaft eine lange Pause ist und auch danach noch viel Zeit ist, braucht sich niemand einen Stress machen. Es ist aber schon so, dass Sturm eine interessante Option ist.

Im letzten Winter wurden Sie mit den NY Red Bulls und Ihrem früheren Trainer Gerhard Struber in Verbindung gebracht. Ist auch das Ausland nach wie vor reizvoll für Sie?

Absolut, aber es muss einfach passen. Ich kann es mir nicht vorstellen, in exotische Länder wie Lettland zu wechseln. Ich bin auch kein großer Fan von Belgien. Also wenn, dann muss es schon in eine Top-Liga gehen. Es ist absolut möglich, aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn die Zeit dazu gekommen ist.

Wenn Sie ein wenig Ihre bisherige Karriere Revue passieren lassen. Welche Momente sind Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Es hat schon mit der U-17-Weltmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten begonnen. Das war eigentlich mein erstes großes Highlight. Aber auch auf meine ersten Spiele als Profi blicke ich gerne zurück. Ich hatte aber mit meinen zwei Kreuzbandrissen auch weniger schöne Momente in meiner Karriere. Da ist es dann aber umso schöner, wenn man wieder zurückkommt. Für einen Außenstehenden ist das vielleicht nicht ganz so besonders, aber für einen Sportler selbst ist das schon ein großes Highlight, weil du lange und sehr hart am Comeback arbeiten musst. Auf jeden Fall hatte ich in Innsbruck eine tolle Zeit, mit dem Meistertitel in der 2. Liga. Was ich aber über alles stelle, ist, dass wir mit dem WAC die Gruppenphase in der Europa League überstanden haben und dann in der K.o.-Phase das "Spiel des Jahres" hatten. Auswärts in London bei Tottenham zu spielen, in einem ganz neuen Stadion, gegen so eine starke Mannschaft. Das war schon etwas Unglaubliches, auch wenn wir letztlich sang- und klanglos ausgeschieden sind.

Interview: Michael Chudik

Kimmich über Katar: "Wir sind zwölf Jahre zu spät dran"

alle Videos in der Übersicht