Legionäre

Danso im Interview: "Ich kann den nächsten Schritt auch mit Lens machen"

Verbleib in Lens nach starker Saison

Danso im Interview: "Ich kann den nächsten Schritt auch mit Lens machen"

Kevin Danso bleibt seinem Klub treu. 

Kevin Danso bleibt seinem Klub treu.  IMAGO/Christian Schroedter

Mit seiner Vertragsverlängerung beim französischen Erstligisten RC Lens sorgte ÖFB-Teamverteidiger Kevin Danso für Klarheit bezüglich seiner Zukunft und entschied sich für einen Verbleib beim Tabellenzweiten der vergangenen Ligue-1-Saison. Seine Mission sieht der 24-jährige Abwehrspieler bei den Rot-Gelben aus dem Norden Frankreichs nach zwei Jahren noch nicht abgeschlossen und will mit ihnen in der anstehenden Saison nicht nur auf nationalem Boden sondern auch international in der Champions-League aufdrehen.

Ligue 1 - 1. Spieltag

Dafür entschied sich der Defensivprofi auch gegen einen Wechsel zum italienischen Meister SSC Napoli, denen das größte Interesse am 13-fachen Nationalspieler Österreichs nachgesagt wurde. Im Interview mit dem kicker spricht Danso über seinen Verbleib in Lens, sein Ziel, irgendwann zu einem Topklub zu gehen und warum er sich trotz der vergangenen Erfolgssaison in einem Punkt etwas ärgern musste.

Herr Danso, vor wenigen Tagen wurde ihre Vertragsverlängerung bei RC Lens bis 2027 bekanntgegeben. Warum entschieden Sie sich letztendlich für einen Verbleib in Frankreich?

Ich habe immer betont, dass ich mich in Lens sehr wohl fühle. Wir haben hier einen super Trainer und der Verein passt ganz einfach zu mir. Ich habe mich in den zwei Jahren in Lens extrem weiterentwickelt, deswegen glaube ich, dass es die richtige Entscheidung ist, hier zu bleiben.

Medienberichten zufolge waren Sie sich bereits mit Napoli einig. Wie intensiv war der Austausch tatsächlich zwischen Ihnen und dem italienischen Meister?

Ich habe natürlich mitbekommen, dass es Interessenten gab und das ehrt und freut mich sehr. Das ist ja auch immer eine Bestätigung der Leistung, die man gebracht hat. Um alles Weitere kümmert sich mein Bruder, der auch mein Berater ist. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, hier zu verlängern und weiß es total zu schätzen, dass mich Lens unbedingt behalten wollte. Wir sind in der Vorbereitung und ich konzentriere mich darauf, dass wir an unsere Leistungen der Vorsaison anknüpfen können.

Irgendwann will ich den Schritt zu einem größeren Verein machen. Nach diesem Jahr schauen wir weiter, was sich ergibt. Ich denke aber, dass ich den nächsten Schritt auch mit Lens machen kann.

Kevin Danso

In Napoli hätten Sie die Nachfolge des zu Bayern München abgewanderten Min-jae Kim antreten können. Hätten Sie sich für diesen Schritt bereit gesehen? Wie reizvoll wäre die Aufgabe gewesen?

Das sind alles theoretische Szenarien. Fakt ist, dass Napoli ein super Verein ist, sie haben in der letzten Saison die Serie A gewonnen und haben eine sehr starke Saison hinter sich. Generell ist es immer mein Ziel, mich zu verbessern und zu entwickeln. Da gehört es dann auch irgendwann dazu, zu einem Topklub zu gehen. Das heißt nicht, dass Lens kein Topklub ist, aber irgendwann will ich schon den Schritt zu einem größeren Verein machen. Ich denke aber, dass ich den nächsten Schritt auch mit Lens machen kann. Was in der Zukunft passiert, kann ich nicht sagen.

Es keimten auch Gerüchte über eine Rückkehr nach Deutschland auf. RB Leipzig soll hier sehr interessiert gewesen sein. Gab es hier Kontakt? Hätte Sie eine Rückkehr in die deutsche Bundesliga gereizt?

Ganz generell gesprochen: Auf jeden Fall. Ich persönlich hatte keinen Kontakt zu Leipzig, aber ich weiß wie stark die Bundesliga ist und könnte mir auch vorstellen, irgendwann wieder in Deutschland zu spielen. Das sind aber alles Zukunfts-Szenarien. Es mag banal klingen: Aber ich bin ´beim RC Lens happy und konzentriere mich auf die kommende Saison. Was in der Zukunft passieren wird, liegt aber nicht nur an mir. Die Türe, nach Deutschland zurückzugehen, ist auf keinen Fall geschlossen.

In Lens feiert man Sie nun für Ihre Treue zum Verein. Was macht für Sie das Projekt in Lens so interessant, dass Sie hier zumindest noch eine weitere Saison bleiben wollen?

Es passt hier einfach alles. Wenn man einmal in Lens war, merkt man direkt, dass die Stadt für den Fußball lebt. Du findest hier alles vor, um dich als Mensch und Fußballspieler zu entwickeln. Zudem haben wir super Fans, die uns - egal was passiert - immer unterstützen, solange wir unser Bestes auf dem Platz geben und Einsatz zeigen. Sie stehen immer zu 100 Prozent hinter uns und das macht es aus. Im Verein herrscht zudem eine gute Stimmung, es fühlt sich wie eine Familie an und das gibt man nicht so leichtfertig auf.

Wie sehr spielte auch die Entwicklung des Klubs in den vergangenen Jahren eine Rolle bei Ihrer Verlängerung? In der letzten Saison fehlte schlussendlich doch nur ein Punkt auf Meister Paris Saint-Germain.

Ich habe sofort ab dem ersten Tag gespürt, dass Lens ein sehr ambitionierter Verein ist. Wir haben mit Franck Haise einen wirklich guten Trainer, mit dem wir einen sehr erfolgreichen Fußball spielen. Es sieht jeder an der Art wie wir auftreten, dass wir wirklich jedes Spiel gewinnen wollen, egal wie der Gegner heißt. Diese Einstellung passt auch zu mir. Ich habe auch diesen Ehrgeiz, immer Siege feiern zu wollen und hier ist der Blick immer nach vorne gerichtet. Das hat man in der letzten Saison gesehen und das passt zu meinem Charaktertyp.

Hat Sie die rasante positive sportliche Entwicklung seit Ihrer Ankunft im Sommer 2021 überrascht?

Überrascht hat es mich nicht. Seitdem ich hier bin, habe ich gemerkt, was für ein komplettes Paket aus Trainer und Mannschaft wir hier haben und wie der Verein allgemein tickt. Im Fußball ist es immer etwas schwer, so eine Entwicklung vorauszusagen, aber die Verantwortlichen haben immer einen super Job gemacht. Sei es bei der Auswahl des Trainerteams, den Mitarbeitenden oder den Spielern. Bis jetzt haben sie immer die richtige Entscheidung getroffen und haben genau das gefunden, was zu uns passt

Nachdem Sie in der Vergangenheit einige Klubwechsel hinter sich hatten, war es für Sie wichtig, nun bei einem Klub über Jahre konstante Leistungen zu bringen?

Das spielt auf jeden Fall eine Rolle. In meinem ersten Jahr bei Lens habe ich noch hineinfinden müssen und habe am Ende der Saison wirklich meine Konstanz gefunden und gut performt. Im vergangenen Jahr konnte ich beweisen, dass ich für dieses Niveau und diese Aufgabe bereit bin und wenn ich das jetzt noch ein weiteres Jahr bestätigen kann, hilft mir das bestimmt weiter. Da ist es auf jeden Fall gut, beim selben Team zu sein, weil man sich bei einem längeren Verbleib im gewohnten Umfeld sicher und wohl fühlt.

Man muss sich jeden Tag beweisen, egal ob man schon einen Status bei einem Klub hat oder nicht.

Kevin Danso

In Lens haben Sie sich zu einem starken Mann in der Kabine entwickelt und übernehmen innerhalb der Mannschaft eine klare Führungsrolle. So eine Wertschätzung gibt man wohl auch nicht so einfach her, oder?

Ja, schon, aber auch den Status, den ich jetzt habe, muss ich mir permanent erarbeiten und mit Leistungen bestätigen. Das hätte ich auch bei einem anderen Verein genauso gemacht. Man muss sich jeden Tag beweisen, egal ob man schon einen Status bei einem Klub hat oder nicht. Ich will immer zeigen, warum ich ein Leader in der Kabine oder auf dem Platz bin. Dafür gebe ich jeden Tag alles.

Für Sie persönlich war die abgelaufene eine sehr erfolgreiche. Sie wurden in das Ligue-1-Team-des-Jahres gewählt und vom französischen Sportportal "Get French Football News" offiziell zum besten Ligue-1-Spieler der Saison 2022/23 ernannt. Wo haben Sie ihrer Meinung nach die größten Schritte gemacht?

Ich habe eine sehr gute Saison gespielt, aber es geht immer weiter. Ich muss das vergangene Jahr in dieser Saison noch einmal bestätigen und auch in der Champions League meine Leistung zeigen. Ich habe mich überall entwickelt, nicht nur als Sportler sondern auch als Mensch und entwickle mich auch weiter in der Rolle als Führungsspieler. Das ist eine Aufgabe, aber ich freue mich, das anzunehmen und mich jeden Tag zu verbessern und noch konstanter zu werden.

Mit Lens kassierten sie in der letzten Spielzeit lediglich vier Niederlagen und mussten nur 29 Gegentore hinnehmen. In Europas Top-Fünf-Ligen konnten nur Napoli mit 28 Gegentreffern und der FC Barcelona mit 20 Gegentoren eine bessere Abwehr aufweisen. Wie stolz macht Sie diese Bilanz?

Lustig, dass Sie das ansprechen, weil ich in der vergangenen Saison sehr intensiv verfolgt habe, wer aktuell die wenigsten Gegentore in den Topligen bekommen hat. Es war eines meiner Ziele, in dieser Statistik im Spitzenfeld zu sein. Unsere Abwehr und unser Torhüter haben daher extra darauf geschaut, dass wir so wenig Gegentore wie möglich kassieren. Deshalb bin da sehr stolz darauf. Ich wäre gerne auf Platz zwei gewesen, aber ich habe mich leider im letzten Saisonspiel verletzt und dann haben wir kurz danach ein Gegentor bekommen. Normalerweise achte ich nicht auf solche Statistiken, aber die vergangene Saison wollte ich möglichst stark beenden. Nachdem der zweite Platz für uns schon fix war, habe ich für mich persönlich eine andere Challenge gesucht und wollte die Saison mit gleich vielen Gegentoren wie Napoli beenden. Das hat leider knapp nicht geklappt, aber die Statistik ist dennoch sehr gut und darauf können wir stolz sein.

Die kicker-Elf des 2. Spieltags

Wie zuversichtlich sind Sie für die kommende Saison gestimmt? Mit Seko Fofana und Lois Openda hat man im Sommer zwei Schlüsselspieler verloren. Kann man den Erfolg wiederholen?

Wir können sehr viel erreichen, weil sich unser Fußball trotz der Abgänge nicht verändern wird. Klar, das waren zwei sehr wichtige Spieler für uns. Seko war unser Kapitän und ein echter Führungsspieler, der mit seiner Spielweise und Art immer sehr viel Verantwortung übernommen hat. Da werde ich nun versuchen, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und dem Team zu helfen. Lois hat uns mit sehr vielen Toren geholfen und war in der Offensive sehr wichtig für uns. Wir haben jetzt auch schon neue junge Spieler verpflichtet, die Talent mitbringen und einen neuen Stürmer werden wir auch noch finden. Die Basis der Mannschaft hat sich aber nicht geändert und der Trainer ist auch noch da. Wir haben alle immer noch dieselben Ziele und dieselbe Siegermentalität. Wir wollen nochmal beweisen, wie gut wir sein können. Wenn wir das in unserem Mindset haben und das auf den Platz bringen können, werden wir wieder eine sehr gute Saison spielen.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr wird man heuer aber auch international in der Champions-League-Gruppenphase aufspielen. Welche Ziele setzen Sie sich dort? Was trauen Sie Ihrer Mannschaft zu?

Wir trauen uns dort alles zu. Wir gehen nicht ängstlich rein und freuen uns jetzt auf die Auslosung. Ich kann auf jeden Fall versprechen, dass - egal wie der Gegner heißt - wir unseren Fußball spielen und unsere Philosophie durchziehen werden. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, wir haben viel Qualität in der Mannschaft und haben in der letzten Saison bewiesen, dass wir auch Topteams wie Paris Saint-Germain schlagen können. Wir spielen in der Saison oft genug gegen Topmannschaften, deshalb sind wir hier vorbereitet. Von dem her, blicke ich mit viel Zuversicht und Vorfreude diesen Spielen entgegen.

Man sieht, wie wir Fußball spielen und welchen Erfolg wir damit haben. Bereits in der Nations League konnten wir beweisen, dass wir gegen die besten Mannschaften mithalten können.

Kevin Danso über das österreichische Nationalteam

Das österreichische Nationalteam hat mit drei Siegen und einem Remis in den ersten vier Spielen der EM-Qualifikation einen idealen Start hingelegt. Auch wenn Sie bei den letzten beiden Partien aufgrund einer Verletzung nicht dabei sein konnten, wie positiv stimmt Sie die Entwicklung unter Ralf Rangnick?

Das ist sehr positiv. Man sieht, wie wir Fußball spielen und welchen Erfolg wir damit haben. Bereits in der Nations League konnten wir beweisen, dass wir gegen die besten Mannschaften mithalten können. Das Ziel ist ganz klar, uns für die Europameisterschaft zu qualifizieren. Für mich persönlich und auch die Mannschaft ist es zudem ein Ziel, in dieser Qualifikation ungeschlagen zu bleiben. Wir werden auf jeden Fall alles dafür tun, um dabei zu sein. Ich bin fest davon überzeugt, wenn wir unser Spiel auf den Platz bringen, dass es für jeden Gegner schwer wird und wir die Spiele gewinnen können.

Ihre Zuversicht für das kommende Auswärtsspiel gegen Schweden und das Heimspiel gegen Belgien ist daher dementsprechend groß?

Definitiv. Wir haben sehr viel Selbstbewusstsein, weil wir einfach wissen, was wir für eine Qualität in der Mannschaft haben. Das müssen wir auf den Platz bringen und dann ist alles möglich. Dann schaffen wir auch die Teilnahme an der Europameisterschaft.

Welche Ziele setzen Sie sich für das kommende Jahr mit Ihrem Klub? Sich am besten mit dem Meistertitel aus Frankreich zu verabschieden, oder?

(lacht) Wir werden einfach unser Bestes geben. Paris bleibt der Favorit, aber wir waren in der letzten Saison nicht so weit entfernt. Wenn wir diese Saison so angehen wie letztes Jahr und einfach einen Ticken besser spielen, wird das wieder eine gute Saison. Wo wir am Ende landen, ist schwer zu sagen, aber wir haben unser Ziele und die wollen wir erreichen.

Interview: Maximilian Augustin