Im 25. Spiel als Bundestrainer wartete auf Hansi Flick und sein Team Japan, gegen das das DFB-Team zum Auftakt der WM 2022 mit 1:2 verloren hatte. Die Neuauflage in Wolfsburg leitete die heiße Phase der Vorbereitung auf die Heim-EM ein. Der neue DFB-Kapitän Gündogan hatte deshalb vor der Partie gesagt: "Wir haben jetzt keine Freundschaftsspiele mehr."
Mit Gündogan auf der Acht und im Vergleich zum 0:2 gegen Kolumbien mit Schlotterbeck, Süle, Kimmich, Gnabry und Wirtz anstelle von Thiaw, Gosens (beide Bank), Musiala (verletzt) sowie Wolf und Goretzka (nicht berücksichtigt) begann Deutschland erst einmal verhalten. Kimmich, der im Spielaufbau von der rechten Außenverteidiger-Position ins Mittelfeldzentrum rückte, fand nach einer Ecke Schlotterbeck, der in die Arme von Osako köpfte (4.). Fortan war der Dortmunder, der die linke Außenverteidiger-Position bekleidete, dann aber stark defensiv eingespannt.
Rüdiger fälscht entscheidend ab - Sané gleicht aus
Japan presste mitunter hoch und spielte nach Ballgewinn schnell nach vorne - und das meistens über Schlotterbecks Seite. Der aufgerückte Sugawara flankte an den ersten Pfosten, wo Junya Ito einen Schritt schneller als Rüdiger war und den Fuß reinhielt. Rüdiger fälschte noch entscheidend ins kurze Eck ab (11.). Deutschland musste sich etwas schütteln, antwortete dann aber mit dem ersten richtig guten Spielzug. Über die Stationen Kimmich, Gündogan und Wirtz wurde Sané rechts im Strafraum freigespielt, der Abschluss landete im langen Eck (19.).
Defensiv präsentierte sich die DFB-Elf aber vor allem links anfällig. Erneut hatte Sugawara zu wenig Druck bei seiner Flanke, wieder war der Abnehmer Ito, der diesmal den Ball aber nicht richtig traf, allerdings so ablenkte, dass er für Ueda ungewollt zur Vorlage wurde. Der Angreifer stellte eiskalt auf 2:1 (22.).
Ter Stegen verhindert 1:3
Wenn bei Deutschland etwas nach vorne ging, dann war meist Sané beteiligt. Mit zwei Tempo-Dribblings sorgte der Außenbahnspieler für Gefahr. Wirtz schoss aber über das Tor (30.), Gündogan verpasste die Hereingabe knapp (33.). Viel mehr ließ Japan aber nicht zu. Die Samurai Blue lauerten weiterhin geduldig auf Lücken in der deutschen Defensive. In diese stachen sie dann immer wieder mit vertikalen Pässen, allerdings ohne echte Torgefahr zu entwickeln. Trotzdem hätte Japan noch vor der Pause erhöhen können. Nach einem schlechten Pass von Schlotterbeck war Ueda vor dem grätschenden Rüdiger dazwischen und lief alleine auf ter Stegen zu. Der Keeper blieb lange stehen und verhinderte so einen höheren Pausenrückstand (41.).
Japan nutzt deutsche Fehler nicht
Direkt nach Wiederbeginn sorgte der Keeper dann aber mit einem schlechten Abspiel selbst für die nächste japanische Chance. Junya Ito zirkelte aber knapp am Tor vorbei (46.). Nur zwei Minuten später musste ter Stegen dann gegen Ueda Kopf und Kragen riskieren, den Abpraller setzte Morita ans Außennetz (46.). Entstanden war die Situation weil nach Cans Klärungsversuch Ito vor Schlotterbeck in die Gasse gespielt hatte.
Das Spiel der deutschen Elf blieb weiterhin fehleranfällig und in der Offensive ideenlos. Zielstrebiger blieben die Japaner, die nach Kamadas Abschluss (54.) auf ein 5-4-1 umstellten - und es damit Deutschland, bei dem Groß (64.) debütierte, noch schwerer machte.
Aufgrund der weiterhin relativ ideenlosen Spielanlage war Japan defensiv aber nur bedingt gefordert - lediglich Sané versprühte etwas Gefahr. Auch die Hereinnahmen von Müller, Brandt und später Schade änderten wenig daran.

Düsseldorfs Ao Tanaka (rechts) feiert seinen Treffer zum 4:1 gegen Deutschland. IMAGO/Nico Herbertz
Immer wieder ter Stegen
Bei Japan war Deutschlands WM-Schreck Asano ins Spiel gekommen und ließ kurze Zeit nach seiner Einwechslung im Eins-gegen-eins mit ter Stegen die endgültige Entscheidung liegen (70.). Auch bei Mitomas Nachschuss war der Keeper zur Stelle.
In der Schlussphase beschränkte sich Japan dann fast nur noch aufs Verteidigen. Das DFB-Team rannte an, brachte aber nichts Gefährliches zustande - und patzte defensiv erneut. Gosens schlug über den Ball, der eingewechselte Kubo war durch und legte für Asano quer, der den dritten Treffer markierte (90.).
Der Endstand war dies aber noch nicht. Nach einem Einwurf präsentierte sich Deutschland ungeordnet, Kubo flankte beobachtet von Gosens in die Mitte, wo der total ungedeckte Düsseldorfer Tanaka zum 4:1 für Japan einköpfte (90.+2) - eine Demütigung.
So geht es weiter
Bereits am Dienstag steht für Deutschland, das seit fünf Länderspielen auf einen Sieg wartet, der nächste Test an. In Dortmund (21 Uhr) heißt der Gegner Frankreich. Die nächsten Länderspiele gibt es dann im Oktober. Dort testet das DFB-Team auf der USA-Reise eben gegen die USA (14. Oktober, 21 Uhr) und am 18. Oktober gegen Mexiko (2 Uhr).