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DFB-Schatzmeister warnt vor "strukturellem Haushaltsdefizit"

Verband prüft Sparmaßnahmen

DFB-Schatzmeister warnt vor "strukturellem Haushaltsdefizit"

Er hat knifflige Aufgaben zu meistern: Stephan Grunwald.

Er hat knifflige Aufgaben zu meistern: Stephan Grunwald. IMAGO/Revierfoto

Grunwald ist nicht zu beneiden. Vor nicht einmal einem Jahr trat der Unternehmensberater den Job als DFB-Schatzmeister an. Seitdem muss er sich mit allerhand unschönen Themen herumplagen. Zuvorderst die millionenschweren Steuerrückstellungen und Zinserhöhungen, die die Bilanz des Verbandes belasten. Was letztlich zu einer ganz aktuellen Frage führt, mit der sich am Freitag das Präsidium auseinandersetzen wird: Wie vermeidet der DFB es, dauerhaft ins Minus zu laufen?

Denn auf der Tagesordnung der Präsidiumssitzung an diesem Freitag findet sich nach kicker-Informationen ein heikler Punkt: "Update Haushalt 2023 und Maßnahmen zum Abbau des strukturellen Defizits". Ein solches befürchtet die Finanzdirektion des weltweit mitgliederstärksten Einzelsportverbands offenbar, wie aus Unterlagen hervorgeht, die dem kicker vorliegen.

"Bereits mehrfach wurde im Rahmen der Mittelfristplanung durch meinen Vorgänger auf ein drohendes strukturelles Haushaltsdefizit hingewiesen. Darüber hinaus sind besonders die im Jahresabschluss 2021 gebildeten Steuerrückstellungen von ca. 63 Mio. EUR zu berücksichtigen", schrieb Grunwald im Dezember in seinem Bericht an den DFB-Vorstand.

Budgetvorgaben verfehlt

Im Herbst hatte die Finanzabteilung demnach Budgetvorgaben erstellt, um für das Geschäftsjahr 2023 im e.V. bei der obligatorischen schwarzen Null zu landen und bei der DFB GmbH & Co. KG, die den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb verwaltet, bei 45,8 Millionen Euro - jeweils "nach Steuern und ohne Auflösung von Rücklagen", wie es in dem Dokument heißt.

Die Rückmeldung der für die einzelnen Direktionen zuständigen Budgetverantwortlichen war jedoch laut Grunwalds Report ernüchternd. Demnach würde in beiden Gesellschaften das von der Finanzabteilung erhoffte Ergebnis verfehlt, was auch an Personalkostensteigerungen in Höhe von 2,08 Mio. Euro in der KG und 1,76 Mio. Euro im e.V. liegt.

Im Dezember schlug Grunwald als Lösung Einsparpotenziale vor, die kurz vor Weihnachten in einer Klausurtagung mit den Geschäftsführungen von e.V. und KG diskutiert werden sollten. Gut möglich, dass diese Sparpotenziale also nun dem Präsidium vorgelegt werden. Für das Geschäftsjahr 2021 wies der Verband ein Minus von 30,9 Mio. Euro aus, vornehmlich belastet von neuen Steuerrückstellungen in Höhe von 46 Mio. Euro. 

Benni Hofmann

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