Bundesliga

Hartes Urteil wegen Vorgeschichte? Sturm-Sportchef Schicker denkt an Einspruch

Strafen für Gorenc Stankovic und Lavalee akzeptiert

Hartes Urteil wegen Vorgeschichte? Sturm-Sportchef Schicker denkt an Einspruch

Andreas Schicker wurde mit einer einmonatigen Funktionsspere belegt.

Andreas Schicker wurde mit einer einmonatigen Funktionsspere belegt. GEPA pictures

Die hitzigen Szenen in der Schlussphase des Bundesliga-Topspiels zwischen dem SK Sturm Graz und Red Bull Salzburg (0:1) zogen vor allem für die Steirer weitreichende Konsequenzen nach sich. Beim Wiedersehen der beiden Mannschaften im Cup-Halbfinale am Donnerstag (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) muss Cheftrainer Christian Ilzer mit Jon Gorenc Stankovic und Dimitri Lavalee auf zwei Schlüsselspieler verzichten, die härteste Strafe fasste jedoch Sportchef Andreas Schicker aus. Der 37-Jährige wurde für seinen Kniefall vor Schiedsrichter Stefan Ebner mit einer einmonatigen Funktionssperre belegt. Ein Urteil, das Schicker nicht ganz nachvollziehen kann, wie er gegenüber dem kicker am Mittwoch betonte.

ÖFB-Cup - Halbfinale

"Es war nichts Schlimmes dabei", beteuerte Schicker, der die Strafe für seine "unnötige Gestik" als "überraschend hoch" und "sehr, sehr hart" bezeichnete. Daher denkt der Geschäftsführer Sport der Grazer über einen Einspruch nach. "Ich werde mir in den nächsten ein bis zwei Tagen überlegen, ob ich einen Schritt weiter gehe und Protest einlege. Grundsätzlich ist mir aber wichtig, dass in der Bundesliga wieder Ruhe einkehrt, weil in den letzten Monaten eh sehr viel vorgefallen ist", meinte Schicker - und nahm damit Bezug auf die Vorfälle nach dem 342. Wiener Derby.

"Darauf gewartet, bis wieder etwas ist"

Sein eigenes Urteil hat aus Schickers Sicht eine Vorgeschichte. Nach dem 2:2 gegen Salzburg im September des Vorjahres wurde der 37-Jährige vom damaligen Unparteiischen Julian Weinberger angezeigt, da er den Referee "mit der flachen Hand auf die Brust schlug". Die Geldstrafe von 500 Euro fiel für die österreichischen Schiedsrichter zu gering aus, wie diese in einem Rundschreiben an den Liga-Vorstand monierten. "Die Verhältnismäßigkeit fehlt; bei ähnlichen Vergehen werden in Unterklassen vierstellige Strafen ausgesprochen; man hat eine Chance verpasst, ein Signal zu setzen", kritisierten Günter Benkö und Ali Hofmann vom ÖFB-Schiedsrichterwesen. Geht es nach Schicker, wurde das vom Senat 1 nun nachgeholt: "Sie haben halt darauf gewartet, bis wieder etwas ist."

Elf Jahre nach Pasching: Die Überraschungsteams im ÖFB-Cup

Die Strafen gegen Gorenc Stankovic (zwei Spiele unbedingt) und Lavalee (zwei Spiele, davon eines bedingt) wurden von Sturm indes angenommen. "Wir haben die Spielerurteile akzeptiert und wollen uns auch nicht mehr lange damit beschäftigen, weil sich jeder selbst ein Bild machen soll", erklärte Schicker. Ähnliche Worte wählte er auch in Bezug auf Salzburg-Innenverteidiger Oumar Solet, der für seinen Würgegriff gegen Gorenc Stankovic nicht nachträglich gesperrt wurde. "Dazu etwas zu sagen, ist sehr schwierig. Bilder sprechen oft mehr als 1000 Worte". Unmittelbar nach Schlusspfiff hatte Schicker für den Franzosen noch eine Sperrre gefordert.

Schüttengruber bekrittelt Qualität der Kamerabilder

Da das Schiedsrichtergespann um Hauptschiedsrichter Ebner und VAR Manuel Schüttengruber Solets Aktion als Tatsachenentscheidung einstufte, konnte der Disziplinarankläger - anders als etwas bei Donis Avdijaj, der für seine obszöne Geste im Spiel gegen Rapid eine zusätzliche Strafe bekam - nicht tätig werden. Dass Schüttengruber nicht bereits während der Partie einschritt, begründete dieser gegenüber der "Kronen Zeitung" mit der schlechten Qualität der Bilder: "Der Durchblick für den VAR war schwer, auch wenn 13 TV-Kameras im Einsatz waren, habe ich von all diesen unübersichtlichen Szenen nur von zwei Kameras für mich brauchbare Bilder bekommen."

Solet ist im Cup-Halbfinale somit spielberechtigt. Eine Überraschung in Salzburg hält Schicker dennoch für möglich: "Mittlerweile sind wir sehr nahe dran. Wir werden alles versuchen, damit wir am 1. Mai wieder in Klagenfurt sind. Das ist unser Ziel." Interessantes Detail am Rande: Das Pokalfinale wäre das siebente und letzte Spiel, das Schicker aufgrund seiner Funktionssperre mit etwas Abstand verfolgen müsste. Vorausgesetzt, das Urteil hält einem möglichen Einspruch des Sturm-Sportchefs stand.

Nikolaus Fink