Bundesliga

Heil: "Müssten zwei Innenverteidiger als Stürmer aufstellen, um das spielen zu können"

Hartberg-Kapitän im kicker-Gespräch

Heil: "Müssten zwei Innenverteidiger als Stürmer aufstellen, um das spielen zu können"

Hartberg-Kapitän Jürgen Heil.

Hartberg-Kapitän Jürgen Heil. GEPA pictures

Fast vier Jahre ist es her, als der TSV Hartberg am letzten Spieltag des oberen Play-offs dem SK Sturm Graz eine empfindliche 4:1-Heimniederlage zufügte und damit in der Tabelle vor den Schwarz-Weißen landete. Vor dem Wiedersehen der beiden Mannschaften in der Meistergruppe haben sich die Vorzeichen aber geändert, wie auch Hartberg-Kapitän Jürgen Heil im kicker-Gespräch betont: "Sturm ist mit Salzburg die beste Mannschaft in Österreich und hat extrem große Chancen auf zwei Titel. Ihre Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren ist fantastisch. Das wird eine schwierige Aufgabe. Wir wissen, wo die Qualitäten von Sturm liegen und es wird sicher ein harter Fight werden, wo wir nicht immer unser Spiel aufziehen können, sondern auch mit anderen Punkten überzeugen müssen."

Meistergruppe - 26. Spieltag

Während sich die Grazer zum Dauerteilnehmer in den Top Sechs entwickelt haben, mussten die Hartberger einige zähe Jahre durchmachen, um wieder im Konzert der Großen mitspielen zu dürfen. Dort erlebte man mit zwei Niederlagen und einem Remis gegen Klagenfurt keinen einfachen Start. Für Heil ist aber schon die Teilnahme an sich ein großer Erfolg, den man nicht hoch genug einschätzen kann: "Ich lasse mir die Saison nicht schlechtreden, egal, was noch passiert. Mit Hartberg ins obere Play-off zu kommen, ist so, wie mit Rapid Meister zu werden. Das muss man alles relativieren."

Flexibilität gewünscht

Nach einem hervorragenden Herbst tun sich die Oststeirer im Frühjahr bislang noch schwer und mussten noch ordentlich zittern, um den Sprung in das obere Play-off zu schaffen. "Wir erleben gerade eine Phase, wo gefühlt sehr vieles gegen uns läuft. Es ist kein Geheimnis, dass zurzeit die Bälle nicht dahin fliegen, wo sie sollen. In solchen Phasen sind die Basics entscheidend, damit zumindest der Wille stimmt. Da sind jetzt gewisse Typen gefragt, die auch in solchen Phasen performen können", weist der langjährige Profi der Hartberger auf die Schwierigkeiten im neuen Jahr hin, wo man bislang nur einen Sieg in acht Begegnungen einfuhr.

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Große Sorgen bereitet Heil das aber nicht: "Wenn wir in diesen Spielen überhaupt keine Chance gehabt hätten, würde ich mir Sorgen machen, aber das Gefühl war zu keinem Zeitpunkt am Platz da. Zumindest wissen wir dadurch, woran wir noch arbeiten müssen und was es braucht, um da hinzukommen, solche Spiele wieder zu gewinnen. Das Spiel gegen Klagenfurt hat mir Mut gemacht, weil ich wieder das Feuer in der Mannschaft gespürt habe. Wir wollen da oben ja nicht nur dabei sein, sondern wirklich etwas bewirken."

Heil macht die Schwierigkeiten seiner Mannschaft auch daran fest, dass sich die Gegner immer besser auf den Spielstil der Hartberger einstellen: "Erstmal muss ich sagen, dass uns die Spielidee dorthin gebracht hat, wo wir jetzt sind. Wir haben viel Qualität, die anderen Teams nehmen das natürlich wahr und stellen sich darauf ein. Da müssen wir flexibler werden, man kann nicht immer nur stur auf einer Idee beharren." Ziel müsse es nun sein, wieder unberechenbarer zu werden: "Das liegt an uns Spielern, zu entscheiden, wo können wir was wann verwenden. Das Trainerteam gibt uns so viele Tools mit und wir müssen einfach auf die richtigen zugreifen. Das hört sich einfach an, aber mit jedem Spiel wird das besser werden. Wir sind auf einem guten Weg und sehen, dass wir über 90 Minuten nicht nur einen Modus fahren können, sondern mehrere brauchen."

Keine Abkehr vom Spielstil

Das merkte man in der Meistergruppe auch gegen Salzburg und Rapid, wo Hartberg im Vergleich zu den Duellen im Grunddurchgang wesentlich mehr zu kämpfen hatte. "Die beiden Teams waren nicht besser, wir haben uns in beiden Fällen einfach nicht klug angestellt", erklärt der 27-Jährige, stellt aber zugleich fest: "Wir müssen immer zu 100 Prozent da sein und nicht nur mit der Attitüde spielen, dass es schon irgendwie gehen wird. Von der Einstellung her muss sich da etwas tun und da war das Remis in Klagenfurt ein Riesenschritt in die richtige Richtung."

Dass man in den vergangenen drei Spielen zehn Gegentore erhielt, ist Grund zur Sorge. Doch eine Anpassung des bisherigen Spielstils auf eine stabilere Defensive hält Heil nicht für den richtigen Weg: "Es wäre ein kompletter Blödsinn, wenn wir uns da radikal umstellen würden. Unser Kader gibt das gar nicht her. Da müssten wir zwei Innenverteidiger als Stürmer aufstellen, um das spielen zu können. Unser Kader ist auf fußballerische Lösungen ausgelegt. Natürlich haben wir jetzt viele Gegentore gekriegt, aber im Herbst gab es auch eine Phase, wo wir vier, fünf Spiele die Null gehalten haben." Vielmehr gehe es darum, die herausgespielten Chancen in der Offensive wieder zu nutzen.

Sinnbildlich dafür steht Torjäger Maximilian Entrup, dem nach acht Treffern im Herbst im Frühjahr nur mehr zwei weitere gelangen. "Der Maxi verlangt von sich selbst Tore, die geben ihm ein gutes Gefühl. Er darf aber nicht nur auf das begrenzt werden, weil er sehr viel für die Mannschaft arbeitet, was manchmal etwas untergeht. Stürmer ist ein außergewöhnlich schwerer Job. Du bist gefühlt nicht so im Spiel, musst aber zur entscheidenden Zeit da sein. Auch wenn er nicht trifft, gibt er uns sehr viel", stellt sich Heil vor seinen Teamkollegen.

Heil fordert klare Kante in Stadionthematik

Ein Sieg im "Steirer-Derby" ("Für uns ist mehr ein Steiermark-Duell, weil das richtige Derby gibt es nur in Graz. Aber es ist der große SK Sturm, der in der Steiermark über allem steht") gegen den Tabellenzweiten könnte dabei zur Initialzündung für einen erfolgreichen Saisonendspurt werden, wo es für die Oststeirer noch um die Qualifikation für den Europacup geht. "Wir wissen, dass wir nur drei Punkte hinter Platz drei sind. Das ist schon etwas, was bei uns präsent ist. Wir wissen, dass heuer sehr viel möglich ist. Wir dürfen uns nicht zufrieden geben und werden bis zum Schluss nicht aufgeben", stellt der Hartberger Kapitän klar.

Sportlich hat sich nach zwei sehr schwierigen Jahren mit der Rückkehr von Markus Schopp sehr viel in die richtige Richtung entwickelt. Jetzt muss der Verein zeigen, dass auch innerhalb des Klubs etwas weitergeht.

Jürgen Heil fordert infrastrukturelle Verbesserungen

Um eine längerfristige Erfolgsgeschichte zu schreiben, sieht Heil nun vor allem den Verein am Zug, für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen: "Sportlich hat sich nach zwei sehr schwierigen Jahren mit der Rückkehr von Markus Schopp sehr viel in die richtige Richtung entwickelt. Jetzt muss der Verein zeigen, dass auch innerhalb des Klubs etwas weitergeht. Denn mit diesem offenen Stadionthema wirst du keine Spieler anlocken. Im Sommer wird höchstwahrscheinlich wieder ein Umbruch stattfinden, weil du gute Spieler nicht ewig hier halten kannst. Ich hoffe daher, dass der Verein infrastrukturell die nächsten Schritte setzt. Das hätte er selbst verdient und das hätten wir Spieler verdient."

Ein Erfolg im Prestigeduell gegen Sturm wäre dabei kein schlechtes Zeichen an die Verantwortlichen. Wenngleich die Aufgabe bedeutend schwerer wird als noch vor fast vier Jahren.

Maximilian Augustin

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