Handball

Handball-WM 2023: Viele Nachrichten, warum Wolff anfängt

Die Handball-Kolumne von Füchse-Boss Bob Hanning

Ich habe viele Nachrichten bekommen, warum Wolff nicht im Tor anfängt

Die Torhüter-Frage beschäftigt nicht nur Alfred Gislason: Bob Hanning sah am Montag eine "goldrichtige" Entscheidung.

Die Torhüter-Frage beschäftigt nicht nur Alfred Gislason: Bob Hanning sah am Montag eine "goldrichtige" Entscheidung. imago images

Eine kleine Anekdote gleich mal vorneweg: Ich habe sehr viele Nachrichten via WhatsApp und SMS von Freunden und einigen, die sich als solche bezeichnen, bekommen mit der Frage, warum Andreas Wolff nicht im Tor anfängt. Der Tenor war: 'Was machen wir da?'

Ich erlaube mir eines festzustellen: Das war eine goldrichtige Entscheidung. Wolff kann nicht jedes Spiel anfangen. Wenn Andi in schwierigen Situationen aus einem gesunden Zweikampf heraus von der Bank kommt, wird er so auch zu Höchstleistungen gezwungen. Ich finde es gut, dass Birlehm für seine Leistungen belohnt, aber auch Wolff geschont wird, damit wir noch länger etwas von ihm haben. 

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Meiner Meinung nach hat unser erkrankter Füchse-Kapitän Paul Drux gegen Norwegen an allen Ecken und Enden gefehlt. Vor allem in der Abwehr, aber auch mit seinem dynamischen Eins-gegen-eins hätte er der deutschen Mannschaft ganz sicher helfen können. 

Im Spiel an sich habe ich Probleme bei unserer Abwehr gesehen, etwas gegen die Körperlichkeit von Spielern wie Sander Sagosen oder Magnus Röd entgegenzusetzen. Wir waren deswegen schnell gezwungen, den Torwartwechsel als auch eine Umstellung in der Deckung vorzunehmen. 

Wir mussten den Rhythmus brechen, allerdings - und das sei auch erwähnt - waren die Norweger in diesem Spiel nicht nur die zwei Tore besser als die DHB-Auswahl. Gerade deswegen hat mich aber auch die Leidenschaft unserer Mannschaft begeistert, wir waren ja drauf und dran, das Spiel noch zu kippen.

Knorrs Nebenleute kommen nicht an das Niveau ran

In der ersten Hälfte waren wir zu abhängig von Juri Knorr, der das Spiel klug geleitet, uns aber vor allem auch mit seinen Toren im Spiel gehalten hat. Im zweiten Durchgang hat mir - und ich hoffe, ich liege da falsch - ein Stück weit die Frische gefehlt. Auch an Leichtigkeit haben wir verloren. Norwegens Keeper Torbjörn Bergerud steht am Ende bei einer überragenden Quote von 55 Prozent, das deutsche Abschlussverhalten hat ihm dabei aber fraglos in die Karten gespielt.

Dass Knorr ein Spiel nicht 60 Minuten alleine auf seinen Schultern tragen kann, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Leider haben viele seiner Nebenleute nicht das auf die Platte gebracht, was sie vermutlich von sich selbst am meisten erwartet hätten.

Jetzt geht es gegen Frankreich. Ein Spiel gegen einen der Topfavoriten, das sicherlich eine riesige Herausforderung für unsere Jungs darstellen wird. Ich hoffe auf die Rückkehr der Leichtigkeit, auf einen überragenden Wolff, auf einen gesunden Drux - und auf ein kleines Handball-Wunder.

Bob Hanning (54) hat die Füchse Berlin von der 2. Liga bis in die Champions League geführt, den DHB in acht Jahren als Vizepräsident auf links gedreht und einen Spiegel-Bestseller (Hanning. Macht. Handball.) geschrieben. In seiner Kolumne analysiert er für den kicker die Geschehnisse rund um Nationalmannschaft und Bundesliga.

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