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Radsport: Ein Jahr voller Schmerz seit Mäders Tod

Schweizer war am 16. Juni am Albula-Pass verunglückt

"Innerlich ein Trümmerhaufen": Ein Jahr voller Schmerz seit Mäders Tod

Ein Jahr ist seit dem Unfalltod von Radprofi Gino Mäder vergangen.

Ein Jahr ist seit dem Unfalltod von Radprofi Gino Mäder vergangen. picture alliance/KEYSTONE

Für Sandra Mäder ist ein normaler Alltag noch ganz weit weg. "Wenn ich nur daran denke, schnürt es mir schon den Hals zu", sagte die Mutter von Radprofi Gino Mäder. Ihr Sohn verlor im vergangenen Jahr bei der Tour de Suisse mit nur 26 Jahren sein Leben. Am Sonntag jährt sich sein Tod zum ersten Mal.

Die aktuell laufende Rundfahrt steht ganz im Zeichen Mäders. Bei der Familie löst dies eine emotionale Achterbahnfahrt aus. "Es wird schön sein, zu sehen, wie Gino in den Herzen vieler weiterlebt. Aber es wird auch tränenreich", sagte Sandra Mäder der Zeitung Blick. Der schicksalsvolle Tag drängt sich immer wieder in ihr Leben. Außen sei ihr es nicht immer anzusehen, "aber innerlich ist es ein Trümmerhaufen". Sie habe immer wieder Panikattacken.

Am 16. Juni 2023 stürzt Mäder bei der Abfahrt vom Albula-Pass in eine Schlucht. Er muss vor Ort wiederbelebt werden. In der Klinik können die Ärzte nicht mehr viel tun. Einen Tag nach dem dramatischen Unfall erliegt er seinen schweren Kopfverletzungen.

Bergpreis im Zeichen von Mäder

Seine Nummer 44 wird bei der Rundfahrt nie wieder vergeben. Das Trikot des Gesamtführenden trägt in diesem Jahr den Hashtag #rideforGino. Und ihm wird der höchste Punkt im Rennen gewidmet.

"Natürlich ist das Rennen mit Emotionen verbunden, aber eigentlich ist für uns alles im Alltag mit Emotionen verbunden. Es geht uns allen mal schlechter und besser", sagte Laura Jörin der Deutschen Presse-Agentur.

Sie ist Mäders Schwester, arbeitet als Lehrerin. Den Radsport verfolgt sie längst nicht mehr wie zu den Zeiten, als ihr Gino eine Etappe beim Giro d'Italia gewann. "Wir alle verfolgen die Rennen anders, seit Gino nicht mehr dabei ist. Bei mir hat sich das Interesse stark gelegt. Mami schaut die Rennen erst später, wenn sie weiß, dass nichts passiert ist", sagte Jörin.

Wegmann: "Risikobereitschaft nicht zurückgegangen"

Allerdings passierte zuletzt wieder viel. Vor allem in den Kreisen der Top-Fahrer. Der Belgier Wout van Aert stürzte im März schwer bei hohem Tempo. Anfang April gingen erschreckende Bilder von der Baskenland-Rundfahrt um die Welt. Zeitfahr-Weltmeister Remco Evenepoel und der zweimalige Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard waren in einen Massensturz in einer Abfahrt verwickelt. Der Däne Vingegaard zog sich schwere Verletzungen an der Lunge und mehrere Knochenbrüche zu. Seine Teilnahme an der diesjährigen Tour ist offen.

Die Organisatoren der Rennen schrauben fortlaufend an der Sicherheit. Bei der Ende Juni beginnenden Tour de France sollen akustische und optische Warnhinweise etwa bei gefährlichen Kurven ausgebaut werden. Allerdings kommt es auch auf die Fahrer selbst an.

"Das Bewusstsein nach dem Tod von Gino Mäder hat sich bestimmt etwas verändert, aber die Risikobereitschaft ist deswegen nicht zurückgegangen", sagte Ex-Profi und TV-Experte Fabian Wegmann der dpa. "Ich glaube, dass es nicht so ein einschneidendes Erlebnis war, dass Fahrer nun bewusst langsamer fahren. Sobald man im Rennen ist, ist man mit 100 Prozent im Rennen", fügte der 43-Jährige hinzu.

Mäders Schwester sieht leichtes Umdenken

Stürze seien laut Mäders Schwester Laura Jörin "immer Teil des Radsports" gewesen. "Die Fahrer sind so schnell und so schwach geschützt. Ich bin der Meinung, dass man nicht wirklich etwas verändern kann, weil der Radsport vom Spektakel lebt", sagt sie. Es sei zudem kaum möglich, die hunderten Kilometer Strecke abzusichern.

Sie bemerkt aber dennoch ein leichtes Umdenken. "Ich weiß, dass einige Profis nach dem seit dem Sturz von Gino anders fahren, vielleicht etwas vorsichtiger", meint Jörin. "Aber ich denke, es kann sich wieder etwas legen, wenn der Tod meines Bruders nicht mehr ganz so präsent ist."

DPA

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