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Neue Autorität statt Bling-Bling? PSG im Check

Die Ligue 1 vor dem Start

Neue Autorität statt Bling-Bling? PSG im Check

Supercupsieger ist PSG schon: Lionel Messi und Sergio Ramis und Mauro Icardi (v.li.) haben bei der Siegerehrung Spaß. Links Trainer Christophe Galtier.

Supercupsieger ist PSG schon: Lionel Messi und Sergio Ramis und Mauro Icardi (v.li.) haben bei der Siegerehrung Spaß. Links Trainer Christophe Galtier. imago images (2)

Kein Bling-Bling mehr. Diese doch recht plakative Vorgabe haben sich die Verantwortlichen bei Paris Saint-Germain selbst auferlegt, vor allem bei der Auswahl ihres Personals. Der Grund für die neue Ausrichtung liegt viel zu lang zurück, als dass die Pariser sich mit ihrer Erkenntnis schmücken könnten. Denn vor über fünf Jahren wurde der Hauptstadtklub zur Lachnummer von ganz Europa, als er nach einem 4:0 im Hinspiel gegen Barcelona tatsächlich noch aus der Champions League flog. Barças 6:1-Remontada, also die Wiederkehr, war geboren.

Und sie musste in der vergangenen Saison gegen Real Madrid ein zweites Mal passieren, damit bei den PSG-Machern ein Umdenken stattfand. Weg von den großen Namen wie David Beckham, Zlatan Ibrahimovic oder Trainer Carlo Ancelotti, hin zu einem klaren Konzept mit Sportdirektor Luis Campos, Trainer Christophe Galtier und Renato Sanches. Dieses Trio steht für den neuen Weg bei PSG.

Wie lief die Transferphase?

Sie verlief im Grunde gut. Da früh klar war, dass Mauricio Pochettino als Trainer entlassen würde, hatte Präsident Nasser Al-Khelaifi viel Zeit für die Suche eines Nachfolgers. Lange konzentrierte sich das Interesse dabei auf Zinedine Zidane, der jedoch auf die Nachfolge Didier Deschamps' als Frankreichs Nationalcoach schielt. Dann kam Campos als Sportdirektor und machte sich für seinen Vertrauten Galtier stark, der schließlich auch unterschrieb. Die beiden hatten bereits in Lille erfolgreich zusammengearbeitet und Paris 2021 den Meistertitel vor der Nase weggeschnappt.

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Nun kauften sie mit Hugo Ekitiké (Reims) und Renato Sanches (Lille) zwei junge Spieler, die in der vergangenen Saison bei ihren Klubs überzeugt hatten. Der Vorteil bei den Transfers: Das Geld bleibt in Frankreich, ein Umstand, dessen Ignorieren den Pariser Scheichs in der Vergangenheit oft vorgeworfen wurde. Doch auch an internationalen Stars bestand oder besteht Interesse. So muss - sollte sich Abwehrchef Presnel Kimpembe zu einem kurzfristigen Wechsel entscheiden - Ersatz her, Inters Milan Skriniar steht ganz oben auf der PSG-Liste. Zudem kamen Rechtsverteidiger Nordi Mukiele aus Leipzig und Vitinha aus Porto; der Portugiese kostete 40 Millionen Euro und soll vor allem auf der Zehn zum Einsatz kommen. Namhaftester Abgang ist Angel di Maria (ablösefrei, Juventus).

Was macht Hoffnung?

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Als zunehmend großes Problem erwies sich Sportdirektor Leonardo, der sich zu oft misstrauisch den Trainern gegenüber verhielt und so eine Stimmung der Unsicherheit statt der Unterstützung schuf. Ihn ersetzt nun Campos, den dagegen ein sehr gutes Verhältnis zu Trainer Galtier pflegt. Dieser Zusammenhalt soll sich auch auf die Mannschaft übertragen, Galtiers Ruf als autoritärer Coach dürfte sich bei den vielen Stars positiv auswirken. Auch Kylian Mbappé dürfte erneut ein entscheidender Faktor werden, er genießt nach seiner Vertragsverlängerung in Paris volles Vertrauen.

Was macht Sorgen?

Stars gab es in Paris seit dem Einstieg der Katarer 2011 allerdings immer. Das Problem waren aber stets die zahlreichen Egos, aus denen weder Ancelotti noch Thomas Tuchel ein Team zu formen wussten. Gelingt das erneut nicht, könnte PSG in der Champions League früh scheitern. Zudem muss sich Renato Sanches erst einfinden, denn ihm kommt im Mittelfeld die wichtige Aufgabe zu, die zuletzt häufig fehlende Balance zwischen Angriff und Verteidigung herzustellen. Wächst er zu langsam in diese Rolle hinein oder bleibt so verletzungsanfällig wie zuletzt, bleibt das Problem.

Die Prognose

PSG ist - wie immer in den vergangenen zehn Jahren - das Maß aller Dinge in Frankreich. Zumindest von den Namen her. Auch dieses Jahr wird der Titel also nur über die Pariser gehen - vorausgesetzt sie bringen ihr Potenzial annähernd auf den Platz. Schöpfen sie es voll aus, droht gähnende Langeweile an der Spitze, denn dann spielen die Topstars um Neymar, Messi, Donnarumma und Nuno Mendes außer Konkurrenz. Interessant wird zu sehen sein, wie die Hauptstädter die Champions League meistern, wenn der Wettbewerb in die K.-o.-Phase geht. Auch dann können sie weit kommen, womöglich bis ins Finale - wenn Galtier es denn schafft, aus der Ansammlung von Ausnahmespielern eine Einheit zu formen.

Michael Postl

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