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Nur eine Frage der Zeit: Manchester City im Check

Premier-League-Vorschau, Teil 6

Nur eine Frage der Zeit: Manchester City im Check

Pep Guardiola und Erling Haaland (re.) - geht das zusammen?

Pep Guardiola und Erling Haaland (re.) - geht das zusammen? imago images

Wie verbessert man eine Mannschaft, die in der besten Liga der Welt Meister wurde und das Champions-League-Finale nur um ein paar magische Minuten verpasste? Ein Team, das über weite Strecken einer jeden Saison auf unnachahmliche Weise von Sieg zu Sieg eilt, das die meisten Tore schießt und die wenigsten kassiert? Manchester City hat eine Lösung gefunden, die zunächst aber mehr Problem sein könnte.

Wie lief das Transferfenster?

Sieben Buchstaben: Haaland. City hat einen der beiden voraussichtlich herausragenden Angreifer der kommenden Jahre haben wollen - und hat ihn - bei gut 60 Millionen Euro Entschädigung für den BVB - auch bekommen (während Kylian Mbappé bei PSG blieb). Vielleicht auch, weil Erlings Vater Alf Inge kurz nach der Jahrtausendwende selbst mal ein paar Jahre in Himmelblau gekickt hat. So weit, so romantisch.

Für etwas weiter hinten kam für rund 50 Millionen Euro Kalvin Phillips aus Leeds, der auf dem Platz schon mal weniger romantisch sein kann und zumindest dort ein klares Upgrade zu Routinier Fernandinho (zurück nach Brasilien) darstellen sollte. Aber auch für Haalands neuen Konkurrenten ist gesorgt: Ab sofort stürmt auch der zuletzt verliehene Argentinier Julian Alvarez (22) für ManCity, der in einem Copa-Libertadores-Spiel Ende Mai immerhin sechs Tore geschossen hat. In jeder Hälfte drei. Und nicht zu vergessen Ersatztorhüter Stefan Ortega Moreno, ehemals Arminia Bielefeld.

Spannender wird es aber im Angriff, wo Raheem Sterling die Skyblues gen Chelsea verlassen hat. Gabriel Jesus geht nun im Arsenal-Trikot auf Torejagd - auch Allrounder Oleksandr Zinchenko wechselte zu den Gunners und soll noch durch einen neuen Linksverteidiger ersetzt werden. Stellt sich auf der vakanten Mittelstürmerposition nun die Frage: Haaland oder Alvarez?

Was macht Hoffnung, was Sorgen?

"Er muss sich an unser Spiel anpassen", sagte Trainer Pep Guardiola schon vor zwei Wochen über seinen Königstransfer. Und bei der Niederlage im Community Shield gegen Liverpool wurde deutlich, dass das noch ein bisschen dauern könnte - während Konkurrent Alvarez, von der Bank gekommen, zumindest der zwischenzeitliche Ausgleich gelungen war.

Julian Alvarez, Erling Haaland

Gemeinsamer Torjubel: Haaland hält Konkurrent Alvarez (li.), doch der möchte lieber losgelassen werden. IMAGO/Action Plus

Normalerweise steht die Reihenfolge fest. Erst Haaland, der Königstransfer, dann Alvarez. Aber wer weiß - die Zusammenführung der Guardiola'schen Fußballidee mit dem diese Supermannschaft theoretisch noch besser machenden Spielertypen Haaland wird Citys große Herausforderung in der kommenden Saison. Wie auch die Entlastung des Leistungsträgers Kevin De Bruyne.

Was den Skyblues Hoffnung machen darf? Es wäre längst nicht das erste Mal, dass der Meister der beiden vergangenen Jahre zu Saisonbeginn noch nach seiner fußballerischen Identität sucht und ungewöhnlich viele Punkte liegen lässt. Das Problem der Konkurrenz: Es war bisher immer nur eine Frage der Zeit, bis Guardiola dieses Rätsel gelöst und schließlich eine Mannschaft geformt hatte, die dann plötzlich monatelang nicht mehr zu schlagen war.

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Die Prognose

Der Kader ist weiterhin zu gut und eine Liga-Saison noch immer zu lang, als dass Guardiola seine bestehende Mannschaft und die Naturgewalt Haaland nicht rechtzeitig in furchteinflößenden Einklang bringen könnte.

Mag diese Symbiose zwar vielleicht wieder nicht dazu reichen, die Champions League zu gewinnen - Ilkay Gündogan glaubte jüngst, dass auch Haaland das Aus gegen Real Madrid nicht verhindert hätte -, in der Liga wird Manchester City mit dieser Qualität im schlechtesten Fall Zweiter. Liverpool wird der ebenbürtige Konkurrent bleiben, auch das hat das 1:3 im Community Shield bewiesen.

Niklas Baumgart

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