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"Popo" Big in Japan

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"Popo" Big in Japan

Ranko Popovic beim wegen des großen Fanandrangs nach Tokio verlegten Heimspiel Kashimas gegen Yokohama.

Ranko Popovic beim wegen des großen Fanandrangs nach Tokio verlegten Heimspiel Kashimas gegen Yokohama. IMAGO/AFLOSPORT

Tabellenzweiter, Torfabrik der Liga, Zuschauermagnet. Japans Rekordmeister Kashima Antlers ist nach sieben titellosen Jahren unter Neo-Trainer Ranko Popovic plötzlich wieder eine große Nummer in Japans J-League.

"Ja, mein Dolmetscher macht offenbar einen guten Job", lacht Popovic im Gespräch mit dem kicker, "alle tun das, was ich mir vorstelle, ziehen super mit." Seit 2009 vertraut "Popo" immer wieder auf die Dienste von Takashi Tsukada. "Ich verstehe auch schon vieles und komme mit der Mentalität der Japaner gut zurecht. Sie sind anfangs sehr zurückhaltend, du musst erst einmal ihr Vertrauen gewinnen." Nachsatz: "Wir haben hier unglaubliches Potenzial."

Dabei wurde Kashima aufgrund zahlreicher prominenter Abgänge, darunter die Brasilianer Arthur Caike (Criciuma EC) und Diego Pituca (FC Santos), bescheinigt, bestenfalls im Mittelfeld mitzuspielen. Im Hit gegen die von Harry Kewell betreuten Yokohama Marinos ließ Popo beim 3:2-Heimsieg zuletzt überhaupt gleich elf Japaner beginnen.

Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass wir irgendwo ein Auswärtsmatch haben.

Ranko Popovic über die Begeisterung der Kashima-Fans

Die Partie wurde vom Verband extra ins Japan National Stadium nach Tokio verlegt, damit mehr Besucher das Spitzenspiel live verfolgen konnten. Von den 52.860 Zuschauern kamen die meisten aus dem 120km entfernten Kashima. "Bei unseren super Fans ist es fast egal, wo wir spielen. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass wir irgendwo ein Auswärtsmatch haben. Kashima ist hier eine große Nummer wie Sturm oder Rapid in Österreich", schwärmt Popovic.

Kader gehört noch nachgebessert

Einzig mit der Quantität seines Kaders ist die Sturm-Graz-Legende noch nicht ganz zufrieden. "Mit Naomichi Ueda und Ikuma Sekigawa habe ich zwei super Innenverteidiger. Nach ihnen muss ich aber schon einen noch sehr unerfahrenen Jungen einsetzen. Und die ersten Sperren kommen bestimmt", mahnt Popovic. Er wünscht sich Ergänzungen im Sommer.

Voll eingeschlagen hat sein 22-jähriger Rechtsverteidiger Kimito Nono, der zuvor nur in der Universitäts-Liga kickte, und schon fünf Treffer erzielte - darunter zwei späte Goldtore bei den 1:0-Heimsiegen gegen Kyoto Sanga und Vissel Kobe. Mittelstürmer Aleksandar Cavric, seinen serbischen Landsmann (zuletzt Slovan Bratislava) brachte Popovic nach einer Verletzung zuletzt meist als Joker.

Sein "verlängerter Arm" ist Spielmacher Yuma Suzuki. "Er ist wie ein Samurai-Kämpfer, gibt nie auf und zieht die Jungen mit. Das kann noch ganz wichtig werden, wenn es einmal nicht so gut läuft", weiß Popovic. Fast so wichtig wie Tsukada, der, wenn Popo hin und wieder emotional wird, ein paar Sekunden verstreichen lässt "und vielleicht etwas milder übesetzt".

"Double" bejubelt - Trio werden Daumen gedrückt

Auf Sturms "Double" angesprochen wird Popovic auch emotional. "Der Sportlichen Führung und dem Trainerteam kann man nur gratulieren. Die Spieler gehen auf's Feld, um zu gewinnen, und nicht, um nicht zu verlieren. So soll Fußball sein. Das fordere ich auch von meinen Mannschaften. Kashimas Spiel findet jetzt 30 Meter weiter vorne statt, als letztes Jahr."

Die EURO wird der gebürtige Serbe auch genau verfolgen. "Meinen drei Lieblingsteams Serbien, Österreich und Spanien drücke ich allen die Daumen. Österreich ist willig, das gefällt mir. Für manche ist es vielleicht die letzte Endrunde, zum Beispiel für Marko Arnautovic. Frankreich ist sehr stark, aber gerade zum Auftakt gibt es ja immer wieder Überraschungen."

Thomas Schöpf

Die EM-Trikots der 24 Teilnehmer