Bundesliga

"Sargnagel" Atdhe Nuhiu

Wie der Altach-Stürmer Andi Herzogs Trainer-Schicksal besiegelte

"Sargnagel" Atdhe Nuhiu

Atdhe Nuhiu ist bei den Torjägern vorne mit dabei.

Atdhe Nuhiu ist bei den Torjägern vorne mit dabei. GEPA pictures

Wenn Sky-Experte Andreas Herzog auf die Torschützenliste schaut und dort Atdhe Nuhiu mit vier Toren an zweiter Stelle erblickt, wird sich Österreichs Noch-Rekord-Internationaler wieder an die Geschichte erinnern, die er vor ein paar Wochen zum Besten gegeben hat. Seine Geschichte mit Atdhe Nuhiu, dem "Langen", wie er ihn zu nennen pflegt.

Bundesliga - 3. Spieltag

U-21-EM vergeigt

Man schrieb das Jahr 2010, Herzog war Teamchef des U-21-Nationalteams, als es im letzten Spiel der EM-Qualifikation in Schottland um die Teilnahme bei der EM-Endrunde ging. Bei einem Sieg war den Österreichern zumindest ein Platz im Play-Off gewiss, bei einer Niederlage wären die Schotten fix für die Endrunde qualifiziert. Österreich war durch Marko Arnautovic früh in Führung gegangen, wenige Minuten vor Schluss stand es jedoch 1:1. Österreich brauchte dringend ein Tor, als Nuhiu einen Abschlag des schottischen Torhüters Alan Martin abfängt und nur von Arnautovic begleitet auf den Schlussmann zuläuft.

"Wenn er den Ball zu Marko rüberspielt, muss der nur noch zum 2:1 einschieben", hat Herzog die Szene noch genau vor Augen. Aber Nuhiu sieht Arnautovic nicht, versucht den Abschluss selbst und schießt dem Torhüter in die Arme. Während Nuhiu sich noch die Vorwürfe von Arnautovic anhören muss, wirft der Torhüter aus. Die Schotten bringen den Ball nach vorne, Chris Maguire zieht ab, trifft und die Schotten gewinnen 2:1. Sie feiern ausgelassen die EM-Teilnahme, Österreich fällt auf Platz drei zurück und Herzog schaut durch die Finger. Bitter. Aber es sollte noch bitterer kommen.

Koller statt Herzog

Kaum ein Jahr später sucht der ÖFB einen Teamchef-Nachfolger für Dietmar Constantini, als der damalige ÖFB-Präsident Leo Windtner seinem U-21-Trainer vertraulich steckt: "Andi, wenn du dich für die U-21-EM qualifiziert hättest, wärest du jetzt unser neuer Teamchef. Aber so können wir das nicht machen." Marcel Koller macht das Rennen. Aus Enttäuschung löst Herzog schon ein paar Wochen später seinen ÖFB-Vertrag auf und wird Jürgen Klinsmanns Co-Trainer in den USA.

Die Top-Sommertransfers der österreichischen Bundesliga

Fast forward in den Sommer 2021. Andi Herzog hat endlich seinen ersten Job als Vereinstrainer bei der Admira. Auf der Suche nach einem wuchtigen Stürmer ist auch Atdhe Nuhiu, der nach neun Jahren nach Österreich zurückkehren will, wieder Thema bei Herzog. Weil sich die Südstädter aber für Marlon Mustapha entscheiden, wird nichts aus einer Verpflichtung von Nuhiu. Er landet in Altach. In der Winterpause bekommt Herzog mit, dass "der Lange" beim abgeschlagenen Schlusslicht nicht mehr ganz glücklich ist. Die beiden nehmen die Gespräche wieder auf. Eine Verpflichtung scheitert jedoch abermals. Diesmal aus finanziellen Gründen. "Warten wir halt, bis Altach absteigt und wir holen ihn im Sommer ablösefrei", denkt sich Herzog.

Nuhiu trifft, Herzog analysiert

Die Abstiegsrunde verläuft nicht, wie Herzog sich das vorgestellt hat, als es am 14. Mai in der vorletzten Bundesligarunde zum Abstiegs-Showdown in der Südstadt kommt. Die Admira ist überlegen, hält Altach, das immer noch an letzter Stelle liegt, aber durch die Punktehalbierung auf zwei Punkte an die Herzog-Truppe herangerückt ist, sicher in Schach. In der 70. Minute aber nimmt das Unglück seinen Lauf. Der lange Nuhiu ist bei der ersten Chance der Vorarlberger mit dem Kopf zur Stelle und macht aus dem Nichts das 1:0 für Altach, um in der Nachspielzeit noch das 2:0 und 3:0 vorzubereiten.

Die Admira hängt in den Seilen, verliert in der letzten Runde auch gegen den LASK und muss absteigen. Wieder war Atdhe Nuhiu Andi Herzogs "Sargnagel". Drei Monate später ist der mittlerweile 33-Jährige der Top-Torjäger von WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose. Und Herzog darf ihm im "Sky"-Studio auf die Beine schauen. "Ich mag ihn trotzdem", versichert der "Sky"-Experte mit einem etwas gequälten Grinsen.

Horst Hötsch