Bundesliga

Schmidt über Avdijaj-Abgang: "Zürich hat das einzig Richtige gemacht und Donis verpflichtet"

Hartbergs Trainer im Interview

Schmidt über Avdijaj-Abgang: "Zürich hat das einzig Richtige gemacht und Donis verpflichtet"

Klaus Schmidt und der TSV Hartberg haben nun noch mehr Handlungsbedarf in der Offensive.

Klaus Schmidt und der TSV Hartberg haben nun noch mehr Handlungsbedarf in der Offensive. GEPA pictures

Herr Schmidt, die Hartberg-Fans haben in Innsbruck Doppeltorschütze Donis Avdijaj vermisst, jetzt hat der Deutsche Hartberg den Rücken gekehrt und ist zum FC Zürich gewechselt. Sind Sie menschlich ein wenig enttäuscht, dass er den Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt vollzogen hat?

Nein, ich bin nicht menschlich enttäuscht, weil Donis nichts Ungerechtes gemacht hat. Wir sind auch sehr oft wegen dieser Geschichte im Austausch gewesen. Ich habe gewusst, wie es vertraglich aussieht, sprich, dass er um eine gewisse Summe den Verein verlassen kann. Wir haben uns immer wieder unterhalten und er hat immer gesagt, dass er nichts Verrücktes macht, sondern wenn, dann nur etwas, das Sinn macht. Wenn man einen Dreijahresvertrag beim FC Zürich, dem amtierenden Meister in der Schweiz, angeboten bekommt und noch dazu bei einem Trainer, der einem sehr nahesteht, dann ist das verständlich. Es ist natürlich klar, wenn so ein Spieler solche Leistungen in kürzester Zeit abruft und für eine festgelegte Summe zu haben ist, dass das anderen Vereinen nicht verborgen bleibt. Zürich hat dann das einzig Richtige gemacht und Donis verpflichtet.

Wie plant Hartberg, Avdijaj zu ersetzen?

Die Telefone laufen heiß und wir versuchen den passenden Spieler, der ihn ersetzen kann, zu verpflichten. Es haben sich Berater gemeldet und ihre Spieler zum Besten gegeben. Wir haben klare Vorstellungen, dass es ein ähnlicher Spielertyp sein muss, der eine Torgefahr ausstrahlt, der im Eins-gegen-Eins drüberkommt, der defensiv arbeiten kann und auch Charakter hat. Das ist eben die Frage, ob wir so einen Spieler finden. Das werden jetzt die nächsten Wochen zeigen, ob wir so einen Glücksgriff landen können. Wenn ja, dann ist es gut. Wenn nein, dann wird es eine ganz schwierige Saison werden.

Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet. Hartberg zählt zu den wenigen Klubs, die sich im Sommer kaum verändert haben. Man hat immer gesagt, dass es - wenn überhaupt - eher in der Offensive Handlungsbedarf gibt. Ist der Druck nach dem Avdijaj-Abgang noch größer, Spieler zu verpflichten?

Das hat das Ganze noch einmal verschärft. Wir waren vorher schon auf der Suche. Aber wir waren in der Situation, dass wir mit Donis Avdijaj, Seth Paintsil und Dario Tadic schon dreifach besetzt waren und damit nicht wirklich unter Druck oder Zugzwang waren. Wir haben uns sehr viele Spieler angesehen, die infrage gekommen sind, aber da war einfach nicht der richtige dabei. Dieser Transfermarkt bekommt eine immer schnellere Dynamik. Jeden Tag kommen neue Spieler auf den Markt, an die man in der Vorwoche noch nicht einmal gedacht hat. Deswegen werden wir auch jetzt nicht die Nerven wegschmeißen und eine Hauruck-Aktion starten. Bevor wir jetzt einen Spieler holen, werden wir lieber noch den einen oder anderen Tag zuwarten.

Es scheint, als hätte die Bundesliga in Sachen Qualität noch einmal zugelegt. Wie schwer wird es für Hartberg, die Klasse zu halten?

Ich denke, dass sich aufgrund der Transferpolitik im Sommertransferfenster noch mehr eine Zweiklassengesellschaft herauskristallisiert, als das vorher der Fall war. Wenn ich daran denke, wie sich Rapid oder die Wiener Austria verstärkt haben oder wie sich der LASK neu aufgestellt hat. Über Red Bull Salzburg braucht man gar nicht reden, weil das sowieso eine ganz andere Sphäre ist. Aber die Mannschaften haben ganz klar zugelegt und sich massiv in der Kaderbreite und -spitze verstärkt. Und die Mannschaften, die in der Vorsaison unten dabei waren - plus eben Lustenau -, werden sich wohl auf Augenhöhe begegnen. Diese Vereine haben ihre Transfers auch sehr bedacht gewählt, weil sie einfach nicht so viele Schüsse und Treffer haben. Noch dazu ist man in Hartberg noch eine Spur vorsichtiger als in Ried, Lustenau oder Altach.

Die kicker-Elf des 2. Spieltags

Hartberg ist prinzipiell gut in die neue Bundesligasaison gestartet. Doch auf einen Sieg über Altach folgte eine bittere Niederlage gegen Wattens. Warum hat man den Schwung vom Auftaktspiel nicht nach Tirol mitnehmen können?

Das ist eine gute Frage. Wir haben uns in Tirol extrem viel vorgenommen, aber Wattens hat uns wirklich am falschen Fuß erwischt. Sie haben uns von Beginn an unter Druck gesetzt. Das, was wir eigentlich von Anfang an wollten, haben sie inszeniert. Es hätte nach 15 Minuten schon 1:0 oder 2:0 für Wattens stehen können. Und mit dem Schwung sind sie das ganze Spiel durchgefahren. Nicht einmal der Führungstreffer von uns, der uns kurzzeitig ein wenig durchschnaufen hat lassen, hat eine gewisse Ruhe reingebracht. Dann ist es immer schwieriger geworden. Gegen Ende des Spiels, nach 70 Minuten, in denen wir wirklich sehr viel investiert haben und Wattens kein Risiko mehr gehen wollte, hätten wir mit viel Glück noch ein Unentschieden erreichen können. Aber es war einfach ein verdienter Sieg von Wattens, das muss man ganz klar sagen.

Also war es nicht taktisch die falsche Ausrichtung, sondern Ihre Mannschaft war einfach überrascht von der druckvollen Spielweise der Tiroler?

Wir haben gewusst, was uns erwartet. Wir haben gewusst, dass Wattens sehr schnell und geradlinig nach vorne spielen wird. Aber damit sind wir nicht wirklich klargekommen. Sie haben uns extrem schnell die Bälle hinter die Abwehr gespielt. Damit haben wir einfach Schwierigkeiten gehabt.

Der kommende Gegner Red Bull Salzburg kann das vermutlich noch besser als die WSG Tirol. Wie sieht die Vorbereitung auf das Spiel aus?

Es ist nicht so, dass Salzburg in taktischer Hinsicht die großen Überraschungen bietet, weil sie einfach ständig im Blickpunkt stehen und ihre Spiele extrem filetiert werden. Da wird uns nichts wirklich überraschen, aber wir müssen uns eine Strategie überlegen, wie wir den Salzburgern entgegentreten und wir uns verkaufen.

Sie haben jetzt schwierige Wochen vor sich: gegen Red Bull Salzburg, gegen Aufsteiger Lustenau, gegen Rapid Wien. Was erhofft man sich von diesen Wochen?

Wir müssen schauen, dass wir gegen die Mannschaften, die in unserer Reichweite sind, punkten, dass wir denen zumindest auswärts einen Punkt wegnehmen und die Heimspiele gegen diese Vereine gewinnen. Das heißt, dass uns jetzt gegen Wattens schon einmal ein Punkt fehlt, das ist ganz klar. Vielleicht kann man auch gegen den einen oder anderen scheinbar übermächtigen Gegner wie Salzburg oder Rapid überraschen und den Punkt wieder zurückholen - auch wenn das natürlich umso schwieriger wird.

Ich denke, dass ich einen gewissen Beitrag zu diesem Klassenerhalt geleistet habe und das eine Art Vertrauensbeweis ist, dass man auch in Zukunft miteinander arbeitet.

Klaus Schmidt über sein Engagement in Hartberg

In den letzten Jahren haben Sie häufig mitten in der Saison eine Mannschaft übernommen. Sie haben immer gehofft, einmal länger bei einem Verein arbeiten zu dürfen. Was bedeutet es Ihnen, dass Hartberg Ihnen das Vertrauen geschenkt hat?

Das ist natürlich eine große Wertschätzung mir gegenüber. Ich denke, dass ich einen gewissen Beitrag zu diesem Klassenerhalt geleistet habe und das eine Art Vertrauensbeweis ist, dass man auch in Zukunft miteinander arbeitet. Ich hoffe, dass ich dieses Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, rechtfertigen und auch zurückgeben kann. Die Saison hat ganz gut begonnen, mit dem Cup-Erfolg in Leoben und dem Auftaktsieg gegen Altach. Ich hoffe, dass es einigermaßen so weitergeht, dass wir eine gute Rolle in der Bundesliga spielen und ich ein wichtiger Teil des Vereins sein kann.

Sie haben mit der Admira sensationell den Klassenerhalt gemeistert, haben selbiges auch in der kurzen Zeit mit Hartberg geschafft. Ihnen wird gerne eine Feuerwehr-Mentalität nachgesagt. Welche Mentalität braucht es in dieser Saison?

Diese Saison wird es jene Mentalität brauchen, dass wir ruhig und mit einer gewissen Abgeklärtheit in die Aufgaben reingehen. Dass wir die Erwartungen, die an den Verein gestellt werden, erfüllen. Wir müssen uns aufgrund der Situation sehr, sehr akribisch auf alles vorbereiten, jeden Gegner bestmöglich analysieren und mit unseren Ressourcen gut umgehen, dass die Mannschaft auf dem Punkt fit ist und wir auch in einen gewissen Rhythmus kommen. Wenn alles passt, hoffe ich, dass wir eine angenehme Saison haben, die mit klasse Spielen in Hartberg über die Bühne geht.

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