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UFL-Gameplay im Ersteindruck: Was kann EAs Herausforderer?

FC-Konkurrent im ersten Formcheck

UFL-Gameplay im Ersteindruck: Was kann EAs Herausforderer?

Neuer Spieler auf dem Markt? UFL stellte sich mit einer  offenen Beta vor.

Neuer Spieler auf dem Markt? UFL stellte sich mit einer  offenen Beta vor. Strikerz Inc.

Einsam soll es laut eines Sprichworts an der Spitze sein. Weshalb EA SPORTS auf dem Gipfel der Fußballsimulationen reichlich kalt sein dürfte. Doch Strikerz Inc. schickt sich an, dem Platzhirsch einzuheizen. Mit Ultimate Football League (UFL) will der Entwickler sich ein Stück von dem großen Kuchen sichern, der die vergangenen Jahre fast zur Gänze in Vancouver auf den Tisch kam.

Inspiration vom Marktführer

Am Wochenende konnte sich nun die breite Öffentlichkeit im Rahmen einer Open Beta einen ersten Eindruck von dem Spiel machen, das es mit der FC-Reihe aufnehmen will - dabei aber nicht verbergen kann, dass es sich am Branchenprimus orientiert.

Bemerkbar macht sich dies nicht nur in der identischen Steuerung und sehr ähnlichen Aufmachungen, sondern auch im Gameplay. Das kommt insgesamt arcadig daher, das Spieltempo ist hoch: Mit wenigen schnellen Pässen lässt sich fast das gesamte Spielfeld überbrücken. Dennoch fühlt sich das Spielgeschehen weniger dynamisch und knackig an als in FC 24. Hauptverantwortlich dafür sind in erster Linie die behäbigen Bewegungsabläufe und Animationen der virtuellen Profis sowie ein Input-Delay, das speziell Pässe und Finten betrifft.

Ähnliche Ansichten kennt man von der Konkurrenz. kicker eSport/Strikerz Inc.

Passspiel steht im Fokus, doch gibt Rätsel auf

Zusätzlich wirkt sich auch die gegen Null tendierende Bedeutung der Spielergeschwindigkeit auf dieses Gefühl aus. Ob Kylian Mbappé oder ein mit 66 Tempo ausgestatteter Stürmer der Hintermannschaft davonlaufen? Herzlich egal. Eingeholt werden sie alle. Deshalb liegt der Fokus in der Beta mehr darauf, sich durch geduldiges Passspiel, im richtigen Moment eingestreute Dribblings und durchdachte Kombinationen Chancen zu erarbeiten.

Folglich besonders schade: Welcher Pass weshalb wie lang gerät und wo ankommt - oder eben nicht - lässt sich noch zu häufig nicht erklären. Ein leichtes Tippen einer Taste kann einen weiten Ball nach sich ziehen, während voll aufgeladene Anspiele auf der Hälfte der angedachten Strecke verhungern. Hier besteht Nachholbedarf, während sich gleichermaßen ein Potenzial zeigt. Schafft Strikerz Inc. es, die nötige Konsistenz in die Pässe zu bringen, können sich Freunde der gepflegten Kurzpass-Kombinationen ob der generellen Ausrichtung des Gameplays auf einige Tiki-Taka-Treffer freuen.

Viele Wege führen ins Tor

Besser gelungen sind bisher die Abschlüsse. Zwar wirken auch in UFL die angeschnittenen Schüsse besonders gefährlich, aber die Möglichkeiten, Treffer zu erzielen, sind vielfältig. Ob feiner Schlenzer in den Knick von der Strafraumkante, Lupfer über den herauseilenden Keeper oder Direktabnahmen aus der Luft infolge einer präzisen Flanke: fast alle Wege führen ins Tor. Dass die virtuellen Maschen dabei drittklassig aussehen, wenn ein Ball in ihnen einschlägt, mindert die Freude über eigene Treffer nur geringfügig.

In UFL gibt es viele Wege, Tore zu schießen. kicker eSport/Strikerz Inc.

Wo UFL der Konkurrenz bereits voraus ist

Bereits jetzt schon weit vorne ist das Zweikampf- und Abfangverhalten der Spieler in UFL. Steht man korrekt im Passweg beziehungsweise beim Tackling gut zu Gegner und Ball, ist die Wahrscheinlichkeit auf den Ballgewinn sehr hoch. Besonders erfreulich: In unserem Test kam es kein einziges Mal vor, dass ein Ball durch ein Körperteil eines Spielers flog.

Gänzlich ohne Ping-Pong-artige Abpraller kommt das Verteidigen aber nicht aus. Allerdings sind diese weniger auf Probleme mit den Zweikämpfen zurückzuführen, sondern hängen oftmals mit der etwas eigenwilligen Sprint-Funktion zusammen. Drückt man die entsprechende Taste, legt ein Spieler sich den Ball zunächst vor, ehe er anzieht.

Geht man aus dem Vollsprint in einen Zweikampf, kann es deshalb dazu kommen, dass die Kugel nach dem Ballgewinn direkt wieder zum Gegner springt. Dennoch ist die Häufigkeit dieser Situationen nicht zu vergleichen mit FC 24, in dem immer neue Animationen die Engine im RNG-Korsett überfordern.

Andererseits wird man für unzureichende Interventionen entsprechend hart bestraft. Am Sechzehner einmal ein Tackling ins Leere angesetzt, ist der gegnerische Angreifer entwischt. Das kann frustrieren, ist aber in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nachvollziehbar und bringt somit einen Lerneffekt für zukünftige Situationen mit sich.

Fazit

Klar: Bei UFL handelt es sich noch lange nicht um ein fertiges, auf Hochglanz poliertes Spiel. Es gibt zum aktuellen Entwicklungszeitpunkt noch einige Macken, an denen Strikerz Inc. arbeiten muss, wenn EA SPORTS sich wirklich warm anziehen soll. Die mangelnde Konsistenz im Passspiel, die behäbigen Bewegungsabläufe und Animationen sowie die Optik brauchen mehr als nur Feinjustierung.

Kyle Walker, Antonio Rüdiger und Martin Ödegaard (v.l). kicker eSport/Strikerz Inc.

Dennoch ist die Basis gelungen. Die Ausrichtung auf realistischen, weil passfokussierten Fußball in Kombination mit der einfachen Zugänglichkeit eines Arcade-Titels bietet Potenzial. Und zwar für einen Platz zwischen EA SPORTS und Konami. Das Interesse an frischem Wind wird zudem durch über eine Million Downloads bereits am ersten Tag der Beta nachdrücklich unterstrichen.

Ob es am Ende wirklich reicht, dem Marktführer den Rang abzulaufen? Das ist zu dieser Zeit kaum zu beantworten. Zeigt sich das Team von Strikerz Inc. jedoch weiterhin genauso offen für das Feedback der Spieler und arbeitet ähnlich aktiv an Updates wie während der Alpha-Phase, ist mindestens die Rolle einer ernstzunehmenden Alternative möglich. Als Free-to-Play-Titel, der UFL werden soll, ein echtes Statement.

Mehr Eindrücke gefällig? Hier ist ein erster Blick ins Spiel:

mja

UFL Open Beta: Die neue Fußballsimulation in Bildern