Bundesliga (D)

Warum Schiedsrichter Gerach am Mittwoch seine Bundesliga-Premiere feiert

36-Jähriger profitiert von "offenen" Kadern

Warum Schiedsrichter Gerach am Mittwoch seine Bundesliga-Premiere feiert

Am Mittwoch erste statt zweite Liga: Schiedsrichter Timo Gerach.

Am Mittwoch erste statt zweite Liga: Schiedsrichter Timo Gerach. picture alliance/dpa

Auf Tuchfühlung mit einem Bundesliga-Trainer ist Timo Gerach bereits vor eineinhalb Wochen gegangen. Während des Testspiels Mainz gegen Hoffenheim (2:2) hatte sich Bo Svensson vehement über einen aus seiner Sicht ausgebliebenen Strafstoß-Pfiff nach einem Rempler von Stanley Nsoki gegen Jae-Sung Lee aufgeregt.

Gerach kam daraufhin zur Seitenlinie gelaufen und bot Svensson wahlweise einen Platz auf der Tribüne oder die Pfeife und damit die Übernahme der Spielleitung an. "Ich habe kurz überlegt, es dann aber doch lieber gelassen", sagte der dänische 05-Coach später, der sich in der Pause der Partie mit einer Umarmung bei Gerach entschuldigt hatte.

Gerach profitiert von Fröhlichs Ankündigung im Sommer

Am Mittwochabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker), wenn Bayer Leverkusen den VfL Bochum empfängt, ist eher nicht damit zu rechnen, dass Xabi Alonso oder Thomas Letsch die Pfeife angeboten wird. Es ist schließlich kein Testspiel, in dem ein Schiedsrichter einem tobenden Trainer in Ausnahmefällen auch mal provokant-lockeres Kontra geben kann, sondern eine Bundesligapartie. Wichtig für beide Teams, die ihren jeweils gelungenen Start ins neue Jahr fortsetzen wollen. Und ganz besonders für Gerach.

Es ist die Premiere im deutschen Oberhaus für den 36 Jahre alten Betriebswirt. Der Unparteiische aus dem pfälzischen Landau ist damit der erste, der von den "offenen" Schiedsrichter-Kadern profitiert, die Schiriboss Lutz Michael Fröhlich vor der Saison angekündigt hat

Trotz einer insgesamt durchwachsenen Spielzeit 2021/22 war der 24er Erstligakader, in dem Sören Storks wegen einer schwereren Knieverletzung weiterhin nur als VAR zum Einsatz kommt, unverändert geblieben. Altersbedingt schied niemand aus, es rückte allerdings auch kein aufstrebender Referee aus dem Zweitligapool nach, was nicht für eine riesige Talentfülle spricht. Dafür sollten künftig auffällig gute Schiedsrichter aus dem Unterhaus (16er Kader) auch während der Saison die Chance bekommen, auf der Bundesliga-Bühne aufzutreten.

Der Zeitpunkt der punktuellen Beförderung überrascht

Gerach hat in dieser Spielzeit bisher fünf Zweiligapartien, in denen er auf einen starken kicker-Notenschnitt von 2,3 kommt, sowie drei Drittligaspiele (2,67) und zwei DFB-Pokalduelle (3,0) geleitet. Auch vergangene Saison überzeugte er meist in seinen zehn Partien in der zweithöchsten deutschen Spielklasse (Notenschnitt 2,95), darunter war beispielsweise das brisante Aufeinandertreffen von Schalke und dem HSV (1:3, Note 1,5).

Nur der Zeitpunkt der punktuellen Beförderung überrascht etwas. Nach dieser ungewöhnlich langen WM-Winterpause ist Gerach wie alle anderen Referees noch nicht voll im Rhythmus. Zum weiteren "Aufwärmen" pfiff er nach dem Bundesliga-Testduell zwischen Mainz und Hoffenheim am Samstag die Drittligapartie Meppen gegen Freiburg II (1:2, Note: 3,5).

Nun darf er sich in der kalten und rauen Januarluft direkt unter Flutlicht erstmals in der Bundesliga beweisen. Der DFB will Gerach wohl nicht zusätzlich unter Druck setzen, hat die Ansetzung nur kommentarlos im Statistik-Bereich seiner Website veröffentlicht.

Carsten Schröter-Lorenz

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