Nationalteam

Wenninger sieht das Positive: "In Österreich tut sich etwas"

Nach dem EM-Aus im Viertelfinale

Wenninger sieht das Positive: "In Österreich tut sich etwas"

Einverstanden mit der eigenen Leistung: ÖFB-Trainerin Irene Fuhrmann (li.) und Aushilfskapitänin Carina Wenninger.

Einverstanden mit der eigenen Leistung: ÖFB-Trainerin Irene Fuhrmann (li.) und Aushilfskapitänin Carina Wenninger. IMAGO/PA Images

Aus London berichtet Paul Bartmuß

Irene Fuhrmann trat als erste vor die österreichischen Fans. Der Anhang applaudierte minutenlang voller Anerkennung, erst ihr, dann der ganzen Mannschaft. Als die EM-Reise des ÖFB in Brentford zu Ende ging, mischten sich verschiedene Emotionen. Stolz war dabei, Enttäuschung und Trauer.

Torhüterin Manuela Zinsberger war nach ihrem fatalen Fehler zum 0:2-Endstand kaum zu trösten, umarmte lange ihre Kolleginnen und war sichtlich bewegt. Immer wieder hatte sie hohe Bälle aus ihrem Strafraum abgefangen und dazu beigetragen, dass es bis zum Ende spannend war. Dann aber wich mit ihrem missglückten Befreiungsschlag, der von Alexandra Popp ins Tor prallte, jegliche Spannung aus der Partie.

"Man hält so viele Bälle, dann macht man einen Fehler - und an den erinnert sich hinterher jeder", sagte sie. "Das ist Teil meines Jobs." Auch auf die drei Aluminiumtreffer ihrer Kolleginnen kam sie zu sprechen: "Das Glück lag heute vielleicht auf der deutschen Seite."

Keine Frage, Österreich verkaufte sich gegen Deutschland teuer. Nationaltrainerin Irene Fuhrmann sah gar eine "sehr gute Leistung gegen ein absolutes Weltklasse-Team", auch wenn man den einen oder anderen Fehler zu viel begangen habe. "Vor vielen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass wir nicht nur mitspielen, sondern das Spiel so offenhalten. Deutschland musste heute alles geben, um uns zu schlagen."

Frauen-EM, Viertelfinale

Gegenüber lobte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die "Super-Standards" der Österreicherinnen und gab zu, dass diese die Deutschen "anders zugestellt" hätten, als man es erwartet hatte.

"Es gibt Grenzen"

Und das, obwohl die Alpenrepublik auf ihre Kapitänin und Abwehrchefin Viktoria Schnaderbeck verzichten musste. Ebenso wie Annabel Schasching stand sie zwar auf der Kaderliste, trug aber keine Fußballschuhe und machte sich vor dem Spiel nicht warm. Die Knieprobleme, die sie in der Vorrunde schon zu zwei Auswechslungen gezwungen hatten, machten einen Einsatz unmöglich.

"Für Viki war es sehr emotional, dass sie heute nicht Teil des Teams sein konnte", sagte Trainerin Fuhrmann. "Aber es gibt Grenzen, die der Körper einem vorgibt. Ich habe versucht, ihr Trost zu spenden."

Der Topfavorit? Eher Deutschland als England

An Schnaderbecks Stelle rückte Marina Georgieva, zuletzt für den deutschen Bundesliga-Absteiger SC Sand aktiv, in die Startelf - und machte ihre Sache in den meisten Situationen gut. "Man sieht, dass sie teilweise das ein oder andere Abspiel noch versäumt", schränkte Fuhrmann ein. "Aber sie hat eine großartige Leistung gebracht."

"Marina war sehr mutig", befand auch Nebenfrau Carina Wenninger, die das Team vertretungsweise als Kapitänin anführte. Sie zählte die Positionen auf, auf denen der ÖFB ihrer Meinung nach inzwischen sehr gut besetzt sei, und kam nach einer längeren Liste schließlich zur Konklusion: "Also überall eigentlich. Ich glaube, dass sich in Österreich gerade etwas tut."

Ohnehin habe man gegen die beste Mannschaft des Turniers verloren: "Ich denke, dass Deutschland der ganz, ganz große Favorit ist", sagte Wenninger. Von England habe sie sich etwas anderes erwartet als die gegen Spanien gezeigte Leistung.

Paul Bartmuß

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