Handball

Beachhandball: Wie funktioniert das Spektakel auf S?

Spektakel auf Sand

Wie funktioniert eigentlich Beachhandball?

Spektakulärer geht es kaum: Beim Beachhandball wird es gerne auch mal akrobatisch.

Spektakulärer geht es kaum: Beim Beachhandball wird es gerne auch mal akrobatisch. imago images

Neun Siege in neun Spielen: Das war die Bilanz der deutschen Beachhandballerinnen bei der Weltmeisterschaft auf Kreta im Juni. Das Team von Bundestrainer Alexander Novakovic spielte sich wie bereits ein Jahr zuvor bei der Europameisterschaft in einen regelrechten Rausch. Der Lohn: Als amtierender Welt- und Europameister ist der deutsche Frauen-Beachhandball in der absoluten Weltspitze angekommen. Aber was macht die Hallenalternative aus und wo liegen die Unterschiede?

Rechteckige Torräume und rutschfester Ball

Wer sich ein Beachhandballspiel anschaut, bemerkt wahrscheinlich zuerst den Unterschied des Spielfeldes. Gespielt wird auf einem 27 x 12 Meter großen Feld mit zwei rechteckigen Torräumen, die sechs Meter lang sind. Die Tore sind zwei Meter hoch und drei Meter breit.

Auch das Spielgerät unterscheidet sich zu einem Hallenhandball. Es wird mit einem weichen und rutschfesten Gummiball gespielt, damit dieser trotz Sand und Nässe für die Spieler gut greifbar ist. Mit dem Ball in der Hand sind wie auch in der Halle drei Schritte erlaubt. Auch das Prellen des Balls ist in der Theorie nicht verboten, aufgrund des Untergrunds jedoch eher schwierig umzusetzen. Die Alternative: Der Ball darf einmal im Sand abgelegt und wieder aufgenommen werden.

Spieleranzahl, Spezialisten und Wechselzonen

Insgesamt waren bei der Weltmeisterschaft zehn Spieler*innen pro Team für ein Spiel zugelassen. Gleichzeitig auf dem Feld stehen drei Spieler und ein Torhüter beziehungsweise ein sogenannter Spezialist oder Shooter. Somit herrscht beim Beachhandball eine permanente 4:3-Überzahlsituation im Angriff vor und damit eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit, ein Tor zu erzielen.

Der wohl signifikanteste Unterschied zum Hallenhandball: Im Sand wird kontaktarm gespielt! Die Verteidigung gegen den Ball zum Beispiel durch Blocks, steht im Vordergrund.

Jedes Team besetzt eine Seite des Spielfeldes. Von dort aus werden die Spieler ein- und ausgewechselt. Die Rollen in der Mannschaft sind dabei klar auf Abwehr- und Angriffsspieler verteilt. Der Wechsel vom Torhüter auf den Spezialisten erfolgt dabei immer auf Höhe des Torraums.

Spieldauer und eine Mischung aus Tennis und Eishockey

Einer der größten Unterschiede zwischen der Hallenvariante und der im Sand ist der Ablauf eines Spiels. Gespielt werden zwei Sätze à zehn Minuten mit einer fünfminütigen Pause. Die Sätze werden wie beim Tennis getrennt voneinander gewertet. Für einen gewonnen Satz gibt es einen Match-Punkt. Steht es nach zehn Minuten unentschieden, entscheidet ein Golden Goal über den Sieger des Satzes. Ein Satz und eine Golden-Goal-Entscheidung beginnt immer mit Hochball des Schiedsrichters.

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Eine weitere Besonderheit: Gewinnt jede Mannschaft einen Satz, folgt ein Shoot-Out zur Entscheidung des Spiels. Der Ablauf ist vergleichbar mit dem Penalty-Shoot-out beim Eishockey. Der Torhüter passt zum Feldspieler, der versucht, ein Tor zu erzielen. Die Augen müssen dabei jedoch immer auf den gegnerischen Torwart gerichtet sein, da dieser den Pass abfangen darf.

Wer nach fünf Werfern mehr Punkte erzielt hat, gewinnt die Partie mit 2:1 nach Sätzen. Sollte es nach fünf Werfern Unentschieden stehen, folgt die Entscheidung im Sudden-Death wie beim Elfmeterschießen im Fußball.

Doppelte Punktzahl für spektakuläre Tore - Die Rolle der Spezialisten

Anders als in der Halle werden im Sand mit den erzielten Toren Punkte gesammelt. Ein normal erzieltes Tor, also beispielsweise ein Sprungwurf aus sechs Metern, bringt dem Team wie in der Halle einen Punkt. Doch man würde nicht von einer spektakulären Sportart sprechen, wenn eben jenes nicht belohnt werden würde. Für "spektakuläre" Tore gibt es nämlich zwei Punkte. Doch welche Tore gelten überhaupt als spektakulär?

Häufig sieht man sogenannte Spin-Shots. Der Spieler springt beidbeinig ab, vollzieht eine 360-Grad-Drehung und erzielt zwei Punkte für sein Team, wenn er das Tor trifft. Eine weitere Möglichkeit, um doppelt zu punkten, bietet der Kempa-Trick. Der Kempa-Trick ist ein Spielzug, bei dem der Ball auf einen in Richtung Tor springenden Spieler gepasst wird, der ihn in der Luft fängt und dann sofort auf das Tor wirft, bevor er wieder den Boden berührt.

Benannt wurde der Trick-Spielzug nach dem deutschen Handballer Bernhard Kempa (1920-2017), mehrmaliger deutscher Meister als Spieler und Trainer von Frisch Auf Göppingen. Zudem können mit einem Sechs-Meter-Strafwurf doppelte Punkte erzielt werden.

Spezialisten-Tore zählen immer doppelt

Was hat es aber eigentlich mit den Spezialisten - oder auch Shootern - auf sich? Sie sind mit einem Trikot in den Farben des Torhüters gesondert zu den weiteren Feldspielern gekennzeichnet. Bei ihnen zählt jedes erzielte Tor doppelt.

Die Beachhandball-Saison läuft gerade auf ihre heiße Phase zu. Der Weltmeisterschaft im Juni folgten für die deutschen Beachhandballerinnen vom 7. bis 17. Juli die World Games im US-amerikanischen Birmingham. Der nationale Höhepunkt ist die deutsche Meisterschaft, die vom 5. bis 7. August in Cuxhaven stattfindet.

Tim Dettmar

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