Bundesliga

"Wir reden hier vom erfolgreichsten Crowdinvesting des österreichischen Fußballs"

Rapid & CONDA im Business-Interview

"Wir reden hier vom erfolgreichsten Crowdinvesting des österreichischen Fußballs"

Rapid stellt ein neues Crowdinvesting-Projekt vor.

Rapid stellt ein neues Crowdinvesting-Projekt vor. Daniel Widner | SK Rapid

War hat nach der erfolgreichen Stadionfinanzierung den Anstoß zu einem neuerlichen Crowdinvesting gegeben?

Knipping: Rapid und CONDA hatten ja bereits 2015 zum ersten Mal miteinander zu tun und das Projekt Rapid InvesTOR 1.0 ist bei der Stadionfinanzierung so gut gelaufen, dass wir uns wieder zum Brainstorming zusammengesetzt und überlegt haben, was wir noch gemeinsam machen könnten. Dabei sind die Gespräche schnell in Fahrt gekommen, dass wir wieder ein erfolgreiches Projekt aufsetzen wollen. Und wir sind glücklich, dass es wieder so gut läuft.

Wie gut läuft es denn?

Knipping: Der Rapid InvesTOR 2.0 war auf ein Investment von drei Millionen Euro ausgelegt und wir haben jetzt bereits 2,9 Millionen Euro (Stand 10.06.2024) überschritten. Eine spannende Erkenntnis dabei: Wir haben in den ersten 40 Tagen um 160.000 Euro mehr eingesammelt als im Projekt 1.0. Das ist deshalb bemerkenswert, weil damals bei der Vermarktung alle Register gezogen wurden und der Stadionbau schon ein sehr emotionales Projekt für die Rapid-Community war. Diesmal haben wir vergleichsweise ein paar E-Mails versendet, das Projekt vor einigen Tagen auf social media präsentiert und damit das Ergebnis getoppt. Das zeigt uns, dass der InvesTOR 1.0 bei den Fans, den Investorinnen und Investoren, sehr gut angenommen wurde. Das bestätigt auch eine von uns durchgeführte Umfrage, die uns eine 98-prozentige Zufriedenheitsrate ausweist.

Horak: Das bisherige Ergebnis ist auch deshalb beachtlich, weil wir global eine doch eher getrübte wirtschaftliche Gesamtlage haben. Wir sehen einfach das Vertrauen aus unserem ersten gemeinsamen Projekt bestätigt. Damals haben wir in drei Tranchen drei Millionen Euro lukriert, Rapid hat seither planmäßig zwei Tranchen zurückgezahlt, planmäßig die Zinsen gezahlt und wird im Dezember planmäßig die letzte Tranche zurückzahlen. Das zeigt, dass Rapid einfach ein vertrauenswürdiger Partner ist. Wir reden da immerhin vom erfolgreichsten Crowdinvesting des österreichischen Fußballs.

Wenn es so gut läuft, ist auch eine Aufstockung des Gesamtinvestments denkbar?

Knipping: Wir haben diesmal zwei Tranchen eingerichtet, eine auf fünf Jahre, die andere auf zehn Jahre. Beide sind auf je 1,5 Millionen Euro konzipiert. Die fünf Jahre laufen aber so gut, dass wir die Investitionssumme bereits auf 2,5 Millionen erhöht haben und mittlerweile bei 1,9 Millionen stehen. Wir hätten noch etwas in der Schublade, aber drei Millionen bzw. mit der Aufstockung 4,0 Millionen machen uns schon glücklich.

Haben Sie schon einen Überblick, ob viele Rapid-Fans aus dem ersten Investment wieder dabei sind?

Knipping: Wir können bisher feststellen, dass rund ein Drittel der Investorinnen und Investoren jetzt schon wieder dabei sind. Was wir auch sehen, dass bisher zwar weniger Menschen, aber mit deutlich höheren Beträgen mitmachen. Beim InvesTOR 1.0 waren es am Ende 1.500 Personen, die im Schnitt 2.000 Euro investiert haben, aktuell liegen wir bei einem Durchschnitts-Investment von 4.300 Euro. Wir sehen aber auch viele Neu-Investorinnen und -Investoren und dass die überwiegende Mehrheit jener, die bereits beim ersten Mal mitgemacht haben, diesmal statt beispielsweise 1.000 Euro jetzt 5.000 oder 10.000 investieren, weil sie auf ein mittlerweile etabliertes Produkt zurückgreifen.

Daniel Widner | SK Rapid Wien

Auf die Unterstützung der Fans konnte sich Rapid in vergangenen Zeiten immer wieder verlassen, man erinnere sich an den Krankl-Schilling. Kennen Sie diese Bereitschaft auch von anderen Klubs?

Knipping: Die Fanbase bei Rapid ist einzigartig, das zeigen auch die Zuschauerzahlen der abgelaufenen Saison - 18.800 Zuschauerinnen und Zuschauer im Schnitt, mehr als 2.000 pro Spiel im Businessclub. Das ist auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal in Österreich. Wir haben erstmals über 20.000 Mitglieder und allein in diesem Jahr einen Zuwachs von über 15 Prozent. Das zeigt uns die Kraft des Klubs und dass unsere Arbeit Früchte trägt, dass es erfolgreich ist, was wir hier auf die Beine stellen.

Horak: Für uns war es im ersten Projekt spannend zu sehen, wie groß die Fanbase Rapids ist. Dass jeder zweite Investor bzw. jede zweite Investorin auch neu für den Klub war und dass es ein Instrument ist, das in beide Richtungen funktioniert hat. Zum einen, die bestehende Fanbase an Klub und Zukunftsprojekte zu binden und gleichzeitig in neue Bereiche vorzustoßen. Das ist etwas, was Rapid sehr gut auf den Boden bringt und sich auch in der Finanzierung bemerkbar macht. Spannend ist diesmal auch, dass Investorinnen und Investoren wählen können, ob sie ihre Zinsen in Form von Gutscheinen oder Cash haben wollen. Das ist noch einmal eine stärkere Incentivierungs-Möglichkeit, für die, die regelmäßig ins Stadion kommen. Es sind einfach viele Puzzlesteine, die zusammenpassen. Wir sehen, dass das eine Art der Finanzierung ist, die langfristig ein Baustein zur Professionalisierung des Sports sein kann.

Knipping: Schön ist auch der grüne Faden, der sich durch die Investments zieht. Wir haben den Fan aus der Kurve, aber auch den CEO eines Großkonzerns, der hier investiert. Das spiegelt wunderschön das wider, was den Fußball auszeichnet, dass er querbeet durch alle Bevölkerungsschichten geht.

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Ein Zuckerl ist auch, dass Investoren am sportlichen Erfolg, wie der Teilnahme an einer europäischen Gruppenphase partizipieren. Wie funktioniert das?

Horak: Unterschiedliche sportliche Erfolge bringen unterschiedliche betriebswirtschaftliche Erfolge. Ich habe das ja auch erst bei InvesTOR 1.0 gelernt, dass Europacup-Teilnahmen Geldregen und Geldsegen bedeuten. Und wenn’s dem Klub gut geht, sollen auch die Investoren davon profitieren. Das ist eine Logik, die sich auch bei CONDA durchzieht. Wir wollen, wenn Investoren Risiko nehmen, auch partizipieren, wenn es besonders gut läuft. Beim Rapid InvesTOR 2.0 heißt das, dass es zum Basiszinssatz, der je nach Modell zwischen 5 und 8,5 Prozent liegt, unterschiedlich hohe Bonuszinsen zwischen 1 und 6 Prozent gibt, wenn sich die Rapid-Profis für eine Gruppenphase qualifizieren. Der Prozentsatz ist abhängig davon, um welchen UEFA-Bewerb es sich handelt.

Muss ich Rapid-Fan sein, um in den InvesTOR zu investieren?

Knipping: Bei unserem ersten Projekt haben rund zehn Prozent der Investorinnen und Investoren angegeben, keine Beziehung zu Rapid zu haben. Sie haben darin einfach das für sie passende Finanzprodukt gesehen. Diesmal rechnen wir sogar zwischen zehn und 20 Prozent, die hier eine Investment-Chance sehen, denen Rapid aber nicht so wichtig ist.

Horak: Das deckt sich auch mit unseren Beobachtungen. Viele Kunden sehen es einfach als gute Investition in einen mittelständischen Betrieb, der schon gezeigt hat, dass er es kann. Der Gesamttrend geht per se dorthin, selbstbestimmender zu investieren, lokaler zu investieren. Und vor dem Horizont, dass die Zinsen vielleicht bald wieder runter gehen, sind sechs Prozent ein attraktives Investment.

Was waren die bisher erfolgreichsten Crowdinvesting-Modelle im Fußball?

Horak: Es gibt natürlich diverseste Varianten, die im Sport versucht wurden. Aber wir können sagen, dass der Rapid InvesTOR 1.0 eines der Erfolgsmodelle ist, weil es ganz einfach betriebswirtschaftlich funktioniert hat. Im Unterschied zu anderen Fananleihe-Projekten gibt es hier keine Distanz zwischen Klub und Investor. Ja, es ist ein Finanzinstrument, aber mit Nähe zum Klub. Das ist ein wesentlicher und zentraler Punkt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass viele Rapid-Fans nach Fertigstellung des Stadions auf der Investoren-Tafel ihren Namen gesucht und dann ihre Selfies davor gemacht haben. Sie waren stolz, etwas beigetragen zu haben. Damit haben wir durchaus einen Blueprint geschaffen.

Wie oft lässt sich so ein Projekt wiederholen? Theoretisch könnte ich ja in jedem Transferfenster ein Crowdinvesting ins Leben rufen, um mir den gewünschten Linksaußen leisten zu können?

Knipping: Vorsicht, mit dem Crowdinvesting finanzieren wir keine Transfers, sondern investieren in die mittel- und langfristige Zukunft, das ist ganz wesentlich. Derartige Transfers würden sogar gegen die Third-Party-Owner-Bestimmungen der FIFA verstoßen. Ein belgischer Klub ist dafür sogar schon verurteilt worden. Auf Kredit Spieler zu kaufen, wäre auch nichts, was uns beruhigen würde. Unsere Investitionen sind für vier wesentliche Säulen bestimmt - für den Nachwuchs, den Frauenfußball, die Infrastruktur und die Nachhaltigkeit. Wenn ich aus unserem Nachwuchs dann einen Leo Querfeld 2.0 generiere, hebe ich durch einen Verkauf unsere Wirtschaftlichkeit, wie es uns mit anderen Spielern aus unserer Akademie ja schon gelungen ist.

Wie läuft der Investitionsprozess bei Rapid InvesTOR 2.0 ab und wie unterstützt Conda den SK Rapid bei dieser Emission?

Horak: Der ganze Investitionsprozess findet auf der CONDA-Plattform statt, das ist sozusagen das Zuhause der Tranchen. Dort sind alle Infos einsehbar, dort findet der potenzielle Investor die Basis, um seine Entscheidung zu treffen. Wir stellen sicher, dass der rechtliche Rahmen eingehalten wird. Wenn die Emissionen ausgelaufen sind, geht das Kapital 1:1 an den die SK Rapid GmbH.

Was wären konkret Projekte, in die das Geld fließen wird?

Knipping: Bleiben wir zum Beispiel bei der Nachhaltigkeit: Wir werden in E-Ladesäulen für unseren eigenen Fuhrpark investieren, in Photovoltaik auf dem Stadiondach, LED-Flutlichter. Das ist extrem wichtig, wir wollen nicht nur Grün in unseren Vereinsfarben haben, wir wollen auch sonst grüner werden. Wir haben als SK Rapid ganz einfach auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

Noch eine Abschlussfrage an Herrn Knipping: Wie oft kommt Geschäftsführer Sport Markus Katzer zu Ihnen, um Sie zu fragen, ob er nicht ein bisschen mehr Transferbudget haben kann?

Knipping (lacht): Wir sind im intensiven Austausch, haben jeden Dienstag um 9 Uhr unseren Jour Fixe. Natürlich kommt er auch einmal mit einer Idee zu mir, darüber spricht man dann und entscheidet, ob es geht oder nicht geht.

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